Manchmal etwas langatmig, aber im Grunde wirklich sehr berührend und dazu erfrischend ehrlich und ungeschminkt.
Als Phoebe Stone in einem grünen Seidenkleid und goldenen High Heels im prächtigen "Cornwall Inn" ankommt, wird sie von allen für einen Hochzeitsgast gehalten. Doch sie ist die Einzige, die nicht zum Feiern angereist ist. Seit Jahren hat sie davon geträumt, mit ihrem Mann hierherzukommen. Nun ist sie ohne ihn hier, am Tiefpunkt ihres Lebens, fest entschlossen, sich ein letztes Mal etwas zu gönnen, bevor sie mit allem Schluss macht. Dumm nur, dass sie ausgerechnet der Braut in die Quere kommt. Die hat jedes Detail und jede denkbare Katastrophe sorgfältig einkalkuliert - mit einer Ausnahme: Phoebe und deren Vorhaben. Als sich ihre Wege kreuzen, gerät alles aus dem Takt, und es setzt etwas in Gang, das keine von ihnen erwartet hat.Das Buch beginnt nicht nur mit einem Zitat aus "Mrs. Dalloway", es ähnelt sich auch anfangs stilistisch, da wir einer Art Bewusstseinsstrom (also der Wiedergabe mitgehörter Gespräche, Sinneseindrücke und in irgendeinerweise damit verknüpften Erinnerungen) von Phoebe folgen, während sie im Hotel ankommt.Allerdings zieht sich diese Erzählweise nicht komplett durch den Roman, denn auch wenn sie dazu einlädt, dem Strom zu folgen undzwischendurch auch richtig fesselnd sein kann, ist diese Erzählweise eben auch sehr herausfordernd auf Dauer und hat sogar manchmal dafür gesorgt, dass ich mich ein wenig gelangweilt habe, weil es sich zu sehr gezogen hat.Ich war also sehr froh, dass diese Gedankenströme immer nur zwischendurch mal auftauchten.Auch die Form des Buches an sich mit seinen wenigen, dafür - gerade zu Beginn - extrem langen Kapiteln empfand ich als ein wenig herausfordernd.Ich persönlich mag einfach etwas kürzere Kapitel mit klaren Zwischen- bzw. Endpunkten - gerade wenn man eigentlich nur mal schnell ein paar Seiten zwischendurch lesen will oder kann.Hier war es für mich also schon mal schwieriger einen guten Zeitpunkt zum Unterbrechen zu finden, damit ich auch beim nächsten Weiterlesen wieder gut hineinfinden konnte.Ein weiterer Kritikpunkt waren für mich die ständigen und vor allem ellenlangen Rückblicke.Während ich es anfangs noch sehr mochte, wie die Rückblicke uns Phoebes Situation näher bringen konnten und uns gezeigt haben, was schließlich dazu geführt hat, dass sie im Abendkleid in diesem Hotel auftaucht, war ich irgendwann von diesen extremen Rückwendungen eher gelangweilt.Sie waren einfach viel zu ausführlich und wirkten dadurch viel zu langatmig, dabei fand ich die Geschehnisse im Hier und Jetzt der Geschichte so viel interessanter und wollte davon viel mehr haben!Denn irgendwann wurde mir plötzlich bewusst, wie sehr ich Phoebe und Lila eigentlich mochte und ebenso ihre schnelle, etwas seltsame Freundschaft. Da wollte ich nicht ständig Zeit in Phoebes Vergangenheit mit ihrem treulosen Ex-Ehemann verbringen.Denn was dort passiert ist, wurde ja schon relativ früh deutlich.Die Handlung war stellenweise ein wenig vorhersehbar und dementsprechend empfand ich ein paar Handlungspunkte als etwas zu herauszögernd oder gar unnötig, aber ich mochte einfach die Art und Weise wie hier die verschiedensten Gespräche geführt wurden - nämlich wunderbar erfrischend ehrlich -, dass ich es wirklich wahnsinnig genossen habe, mit diesen Figuren Zeit zu verbringen.Dementsprechend hätte ich es auch wirklich wahnsinnig schön gefunden, wenn wir noch einen kleinen Ausblick auf das Leben der Figuren nach dieser Woche bekommen hätten, weil ich mich einfach nicht so leicht von ihnen verabschieden konnte.Fazit: Insgesamt war die Geschichte manchmal etwas langatmig, aber sie war eben auch sehr bewegend und dazu erfrischend ehrlich und ungeschminkt, sodass mir die Figuren (leise und heimlich) doch sehr ans Herz gewachsen sind. Ein wirklich wohltuender Umgang mit Depressionen, Krankheit, Tod, dem Älterwerden, dem Alleinsein und dem Sich-Finden. (3,5 Sterne)