Eine Appell, die Schönheit der Welt zu sehen, die Menschen in ihrer Einzigartigkeit zu respektieren, seine Lebenszeit nicht zu verschwenden
Was für eine Verneigung vor der Welt und vor den Menschen, was für ein grandioser Appell, die Lebenszeit auf dieser Welt nicht zu verschwenden. Ungeschminkt und ohne Beachtung irgendeiner Etikette, eins zu eins den eigenen Erfahrungen entlehnt. So bringt uns der Lebenskünstler und Reiseautor Andreas Altmann in gewohnt offener Sprache die Welt als Möglichkeits- und Erkenntnisraum nahe. Er lädt dazu ein, die Welt staunend zu erleben. Auch wenn die gewählten Worte oft derb daherkommen, so sind sie doch so fein gesponnen, dass sie den Leser treffen und sein Blut und Gehirn in Wallung versetzen. Man wird förmlich mitgerissen von der Leidenschaft des Autors für unsere einzigartige Welt. Ja, es kommt sogar vor, dass man beim Lesen die eine oder andere Träne verdrücken muss oder auch einfach fließen lässt.Es gibt dabei Passagen voller Wärme und Herzlichkeit (die Liebe kommt ebenfalls zu ihrem Recht), es gibt aber auch den Furor beispielsweise gegenüber dem Allmachtsanspruch und den Verführungskünsten der Religionen. Und es gibt sie, die Sätze, die für sich genommen, bereits den Kauf des Buches lohnen. Beispielhaft sei hier der folgende erwähnt: "Die Fremde bringt Fremde näher." Kann man präziser von der Melange von unterschwelliger Angst vor dem Neuen und dem Zauber der Annäherung berichten? Hier ein weiteres Beispiel, bei dem es sich lohnt, dem Nachklang zu lauschen: "Noch wurde kein Gott erfunden, der es mit den schwungvollen Formen einer Frau aufnehmen könnte. Und kein Gebet, um davon abzulenken."Und bei alldem kommen natürlich die Reisebeschreibungen nicht zu kurz. Man wird entführt - nicht in die Fünfsternehotels in den Luxusressorts dieser Welt, sondern in die Tiefen der menschlichen Erfahrungen beim Reise in die Welt. Es sind diese hautnahen und außergewöhnlichen Erlebnisschilderungen, die schon das Lesen darüber zu einem einzigartigen Erlebnis machen. Es wirkt nach. Und zwar so stark, dass im Verlauf der Lektüre die ersten Reise(Lebens-)pläne entstehen. Bei mir war es Quakenbrück, immerhin einige hundert Kilometer vom Wohnort entfernt. Im Buch als "wohlklingendes" Synonym für Provinzialität und Biederkeit verwendet, die es zu überwinden gilt. Fazit: Auch Quakenbrück lohnt eine Reise - zumal, wenn man diese mit der durch das Buch gewonnenen neuen Offenheit antritt.(21.5.2017)