Interessanter Gesellschaftsroman, der die Folgen unserer Handlung und sind sie noch so geringfügig, aufzeigt.
Was würden wir tun, wenn wir in dem Dorf San Cristobal nahe des Regenwaldes leben würden, obdachlose Kinder auftauchen, die Hunger hätten? Die Folge von der Ignoranz der Bewohner des Buches ist erst einmal Kleinkriminalität wie Stehlen, um ihren Hunger zu stillen. Doch 32 Kinder können von kleinen Diebstählen nicht überleben und so machen sie anders auf sich aufmerksam. Ein Junge mit gerade einmal 10 Jahren erdolcht einen Bewohner des Dorfs und verschwindet. Die kleine Dorfgemeinschaft erstarrt regelrecht und weiß nicht so recht mit dieser Situation umzugehen. Als plötzlich keine Kinder mehr auftauchen und zusätzlich noch andere eigene Dorfkinder verschwinden, machen sich die Erwachsenen auf die Suche. Andres Barba hat in diesem Roman, der wie eine Reportage wirkt, eine Geschichte geschrieben, die unter die Haut geht. Der Ich-Erzähler berichtet erst 20 Jahre später von dieser Begebenheit. Er zeigt ein eigentlich nicht menschliches Verhalten auf, das die Erwachsenen in eine Hilflosigkeit und Distanz gegenüber den plötzlich auftauchenden Kindern stürzt. Mich hat das Buch sehr nachdenklich gemacht, da es die jeweiligen Folgen unserer scheinbar unwichtigen Handlungenaufzeigt. Wie eine Kettenreaktion fährt eine Welle der Emotionen durch das Dorf und die Kinder des Regenwaldes. Eine Starrheit überfällt die Erwachsenen und die Langsamkeit mit der sie endlich beschließen, die Kinder aufzusuchen, lassen den Leser fast verzweifeln. Einerseits habe ich mich in der Distanz der Erwachsenen gegenüber den Kindern wieder gefunden, schließlich kann ein Einzelner wie ich keine 32 Kinder durchfüttern und aufziehen. Andererseits war ich schockiert über die Ignoranz, das Übersehen dieser Kinder. Ein gemeinschaftliches Dorf dürfte es doch schaffen, diesen Kindern zu helfen. Einerseits ist es natürlich sehr mystisch - woher kommen den plötzlich so viele Kinder? Andererseits auch sehr gesellschaftskritisch. Luchterhand Verlag gefällt mir oft, da er Bücher verlegt, die Tiefe haben.