*****
Humorvoll, mitreißend und voller Überraschungen: die
perfekte Lektüre für den Herbst.
Anke Stelling hat mit diesem großartigen Roman wieder
einmal den Nerv der Zeit getroffen. So ist eine
abgrundtief ehrliche und intensive Story entstanden, die
von einer erstaunlichen und etwas chaotischen Großfamilie
in Berlin erzählt. Sprachlich außerordentlich, besticht
'Schäfchen im Trockenen' außerdem mit facettenreichen
Charakteren sowie schlagfertigen und amüsanten Dialogen,
die für ein ganz besonderes Leseerlebnis sorgen. Knackig,
packend und urkomisch - lassen Sie sich das nicht entgehen!
In den 1980er Jahren führte Resi mit ihren betuchten
Freunden ein wildes Leben. Viele Jahre später,
mittlerweile verheiratet und vierfache Mutter, schreibt
die Schriftstellerin mit Spott über die spießig gewordene
Clique - nicht ohne verheerende Auswirkungen. Denn diese
kündigt ihr danach nicht nur die Freundschaft, sondern
auch ihren Mietvertrag...
*****
Resi hätte wissen können, dass ein Untermietverhältnis unter Freunden nicht die sicherste Wohnform darstellt, denn: Was ist Freundschaft? Die hört bekanntlich beim Geld auf. Die ist im Fall von Resis alter Clique mit den Jahren so brüchig geworden, dass Frank Lust bekommen hat, auszusortieren, alte Mietverträge inklusive. Resi hätte wissen können, dass spätestens mit der Familiengründung der erbfähige Teil der Clique abbiegt Richtung Eigenheim und Abschottung und sie als Aufsteigerkind zusehen muss, wie sie da mithält. Aber Resi wusste's nicht. Noch in den Achtzigern hieß es, alle Menschen wären gleich und würden durch Tüchtigkeit und Einsicht demnächst auch gerecht zusammenleben. Das Scheitern der Eltern in dieser Hinsicht musste verschleiert werden, also gab's nur drei Geschichten aus dem Leben ihrer Mutter, steht nicht mehr als ein Satz in deren Tagebuch. Darüber ist Resi reichlich wütend. Und entschlossen, ihre Kinder aufzuklären, ob sie's wollen oder nicht. Sie erzählt von sich, von früher, von der Verheißung eines alternativen Lebens und der Ankunft im ehelichen und elterlichen Alltag. Und auch davon, wie es ist, Erzählerin zu sein, gegen innere Scham und äußere Anklage zur Protagonistin der eigenen Geschichte zu werden.
Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2019, dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2019 und geliestet auf der SWR-Bestenliste Februar 2019.