Es war spannend, es war aufwühlend und erschütternd, aber auch optimistisch.
Inhalt:Olga hat einen holprigen Start ins Leben. Bei ihrer Geburt stirbt ihre Mutter, weil der Vater als Arzt und Geburtshelfer versagt hat und sich das nie richtig verzeihen wird. Daher zieht ihr Opa sie mehr oder weniger auf, der ebenfalls als Arzt arbeitet. Er lehrt Olga die Natur, die Heilkunde und auch die Medizin. Ihr beruflicher Weg ist somit geebnet, auch wenn sie in einer Zeit lebt, die Frauen in der Medizin noch nicht wirklich akzeptieren. In der Vorkriegszeit aufzuwachsen ist für Olga und ihre Freunde nicht leicht. Das Gedankengut der Nationalsozialisten hält auch vor einem kleinen Dort in der Uckermark nicht an. Als sich vor Ende des Krieges die Lage dramatisch verändert, muss Olga fliehen und alles zurücklassen. 50 Jahre später, im Jahre 1991 führen ihre Tochter und Enkelin sie zurück in ihr Heimatdorf. Die beiden ahnen nicht, dass sie schwer verankerte Trauma in Olga auslösen. Nun muss sie endlich ihre Geschichte erzählen und mit den Geistern der Vergangenheit abschließen. Meine Einschätzung:Die Handlung ist sehr spannend aufgebaut. Man wechselt zwischen 2 Zeitetappen: Die Geburt von Olga und ihre ersten Lebensjahre in ihrer Heimat und das Jetzt im Jahre 1991, in dem Olga mit Tochter und Enkelin zurückkehrt. Die Sprünge in der Vergangenheit wechseln aber zwischendrin zeitlich. Mal ist sie bereits in den Westen geflüchtet, mal noch im Osten kurz nach dem Weggang aus ihrer Heimat. Da kam ich zwischendurch etwas durcheinander, weil ja doch Puzzleteile fehlten. Diese werden aber natürlich zum Ende so zusammengesetzt, dass keine Fragen mehr offenbleiben.Die Autorin hat die Geschichte von Olga sehr intensiv erzählt. Die Thematik und auch die Probleme von Olga sind nichts für zarte Gemüter, denn es werden schlimme Episoden deutscher Geschichte mit traumatisierenden Erlebnissen der Protagonisten verbunden. Der Nationalsozialismus wurde gerade genug eingebunden, dass es für die Handlung relevant ist, aber dennoch nicht zu intensiv. Die "Nachbeben" des 2. Weltkrieges wurden dafür umso deutlicher in einem Lebensabschnitt von Olga erzählt.Der berufliche schwere Werdegang von Olga wurde von Anne Prettin sehr gut dargestellt. Mir hat die ganze Geschichte und auch die Konstruktion der Erzählweise sehr gut gefallen. Es war spannend, es war aufwühlend und erschütternd, aber auch optimistisch. Freundschaft, Liebe und Vertrauen spielt eine unglaublich große Rolle. Die Autorin bleibt auf meiner Liste.