Rhythmisch, sprachlich stark, interessante Themen ¿ doch die Geschichte bleibt unglaubwürdig.
Ay¿¿bámi Adébáy¿¿ behandelt in "Bleib bei mir" interessante Themen: den gesellschaftlichen Druck auf kinderlose Paare in Nigeria und den traditionellen Umgang mit Kindern mit Krankheiten, konkret mit der Sichelzellenkrankheit.Das erste Viertel des Romans ist in einer äusserst rhythmischen und ansprechenden Sprache geschrieben. Diese Sprache verführt mich dazu, einen Roman zu lesen, der mir schliesslich gar nicht gefiel.Adébáy¿¿ kann schreiben, aber eine plausible Geschichte erzählen kann sie nicht. Der Roman wird aus den Perspektiven von Yejide und Akin erzählt. Der Perspektivwechsel wäre reizvoll, wenn er die Figuren verständlicher machen würde. Stattdessen werden ihre Motive nur stückweise aufgedeckt, offenbar um die Spannung zu erhöhen.Besonders unglaubwürdig erscheint mir Yejides völlige Ahnungslosigkeit darüber, welche Voraussetzungen beim Mann für eine Schwangerschaft gegeben sein müssen. Das passt kaum zu einem Charakter, der anfangs selbstbewusst gezeichnet wird. Auch an anderen Stellen sind die Handlungen der Figuren - Akin heiratet eine zweite Frau - für mich nicht nachvollziehbar.Die politische Situation Nigerias in den 1990er-Jahren wird zusätzlich thematisiert, trägt meiner Meinung nach aber wenig zur eigentlichen Handlung bei und verlängert den Roman unnötig. Nach all den Irrungen wird uns schliesslich noch ein Happy End aufgetischt."Bleib bei mir" ist für mich deshalb inhaltlich enttäuschend, sprachlich jedoch sehr ansprechend.