Fesselnd bis zur letzten Seite
Dieser dritte Krimi, rund um den pensionierten Rauschgiftfahnder Gerd Sehling, der zugleich der erste von Ben Westphal ist, der im Emons-Verlag erschienen ist. Sehling verbringt ein paar Stunden seiner Freizeit als ehrenamtlicher Mitarbeiter bei den Duckdalben, der Anlaufstelle für ankommende Seeleute im Hafen. Dabei hat er immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Seeleute, aber auch eines, wenn es darum geht Verbrechen zu erkennen. Dafür hat er einen besonderen Riecher. Allerdings macht er sich mit seinen Eigenmächtigkeiten weder bei den ehemaligen Kollegen. noch bei seiner Ehefrau Dörte sonderlich beliebt. Aber Gerd kann aus seiner Haut nicht heraus - einmal Drogenfahnder, immer Drogenfahnder. Der Hafen Hamburg ist, auch wenn das niemand gerne hört, auch ein Umschlagplatz für Drogen, die vor allem aus Südamerika importiert werden. Ohne Frachtpapiere, versteht sich, dafür mit höheren Margen. Dass dieses "Importgeschäft" auch aus Santa Fu, wie die JVA Fuhlsbüttel genannt wird, gemanagt wird, und dafür Freigänger rekrutiert werden, ist hier sehr gut zu lesen. Und so dürfen wir Gerd Sehling und seinem ehemaligen Kollegen Tim Dombrowski & Co. über die Schulter schauen, wenn sie sich wieder einmal an die Fersen der Drogenimporteure heften. Meine Meinung: Autor Ben Westpahl hat selbst lange Jahre bei der Drogenfahndung gearbeitet, daher weiß er, worüber erschreibt . Deshalb erhalten wir Leserinnen und Leser einen ziemlich authentischen Einblick in die Polizeiarbeit, die keine Rücksicht auf Arbeitszeiten, Wochenenden und Urlaube nimmt. Dafür wird Kameradschaft groß geschrieben. Obwohl dieser Krimi ohne Mord auskommt, fesselt er bis zur letzten Seite. Minutiös werden die Einsätze wie jener auf dem stillgelegten Bauernhof im Alten Land, auf dem es dann doch nicht ruhig zugeht oder die Observationen geschildert. Gleichzeitig weisen die Ermittler ihre Verdächtigen darauf hin, dass man sich in einem Rechtsstaat befindet, und nicht wie in den US-amerikanischen Krimi-Serien "Deals" abschließt. Der Krimi ist flott geschrieben und das besondere Flair von Hamburg kommt sehr gut zur Geltung. Schmunzeln musste ich über die strickende Oma im Alten Land. Hamburg ist ja meine erklärte Lieblingsstadt in Deutschland und ich habe die Hansestadt und ihren Hafen schon sehr oft besucht, weshalb ich mich bei der Observierungsfahrt gleich zurecht gefunden habe. Fazit:Diesem Krimi aus dem Hamburger Hafen, der bekanntlich niemals schläft, gebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne.