Ein Blick wert, wenn man historische Familiensagen mag.
Ich mag Bücher sehr, in denen die Perspektiven wechseln und mehrere Protagonisten ihre eigene Geschichte mitbringen. Genau das hat mir auch bei Schlosshotel Fuschl gefallen. Nach und nach lernt man die verschiedenen Figuren, ihre Vergangenheit, ihre Wünsche und auch ihre Geheimnisse kennen. Dadurch bleibt die Geschichte abwechslungsreich und man möchte immer wissen, wie sich die einzelnen Schicksale weiterentwickeln.Die Geschichte spielt 1955 in Salzburg und im Mittelpunkt steht Therese, eine starke Frau, die als Hotelbesitzerin um ihre Existenz kämpft und gleichzeitig versucht, ihre Familie zusammenzuhalten. Besonders spannend fand ich auch die unterschiedlichen Geschichten ihrer Familie. Sophia, die ältere Tochter, liebt James, einen Schwarzen amerikanischen Soldaten. Ihre Beziehung steht nicht nur wegen der damaligen gesellschaftlichen Vorurteile unter Druck, sondern auch, weil beide ganz unterschiedliche Vorstellungen von ihrer Zukunft haben. Sophia möchte mit James nach Amerika gehen und sich dort ein Leben aufbauen. James hingegen möchte lieber in Österreich bleiben und in die Hotellerie einsteigen.Auch Benedikts Geschichte hat mich sehr beschäftigt. Nach langer Kriegsgefangenschaft kehrt er zurück und muss feststellen, dass sein altes Leben nicht mehr existiert. Sein Vater ist gestorben, seine Verlobte hat einen anderen Mann geheiratet, weil Benedikt für tot erklärt wurde, und seine Schwester hat das Erbe in ihr Hotel investiert. Lange sucht Benedikt nach seinem Platz im Leben. Umso überraschender fand ich später seinen Wandel, als er seinen Teil des Erbes zurückfordert und dabei wenig Verständnis für Thereses Situation zeigt.Schön fand ich außerdem die Zitate der jeweiligen Protagonisten am Anfang der Kapitel. Sie passen gut zu den Perspektivwechseln und geben den Figuren noch einmal etwas Eigenes.Ich muss allerdings sagen, dass ich etwas gebraucht habe, bis ich richtig in die Geschichte hineingekommen bin. Das Buch hat mir gefallen, aber Das Grand Hotel von Karen Benedict hat mich deutlich mehr gepackt. Trotzdem ist Schlosshotel Fuschl ein interessanter historischer Familienroman mit vielen Verwicklungen, Geheimnissen, unterschiedlichen Lebenswegen und einigen Wendungen. Gerade gegen Ende spitzt sich vieles noch einmal zu, bevor eine große finanzielle Unterstützung entscheidend für die Zukunft des Hotels wird.Für alle, die historische Romane mit Familiengeschichten, starken Frauenfiguren und mehreren miteinander verwobenen Handlungssträngen mögen, ist das Buch auf jeden Fall einen Blick wert.