Eine wunderbar tiefgehende Geschichte über Vergebung und Liebe in der Regency-Zeit, Lesegenuss pur!
Wir befinden uns in Brighton/England im Jahr 1815, Die junge und schöne Clara DeLancey kann jedoch der einzigartigen Landschaft des Küstenortes Brighton nicht viel abgewinnen. Zutiefst verletzt und beschämt verbringt sie ihre Tage und Nächte wie ihre Mutter auf ihrem Zimmer oder wie in dieser einen Nacht flieht sie auf die Klippen in der Dunkelheit, nicht für einen kleinen Abendspaziergang, sondern voller Verzweiflung und dunkelster Gedanken. Bevor sie jedoch etwas davon umsetzen kann, wird sie von einem jungen Mann gerettet, Benjamin Kemsley, auch er kann in der Nacht oft nicht schlafen aufgrund gewisser Geschehnisse in der Vergangenheit und befindet sich aufgrund eines Impulses von Gott auf den Klippen. Im letzten Moment rettet er die junge Frau vor dem Abgrund ohne ihr Gesicht zu erkennen und Clara ist das nur recht so, doch diese Begegnung wird für die jungen Leute sehr viel verändern.Clara ist in einer adeligen und wohlsituierten Familie der höheren Gesellschaft aufgewachsen und wie es damals in der Regency-Zeit üblich war, galt das ganze Bestreben der Familie ihre Tochter gut zu verheiraten, möglichst in standesgemäße Familie, alles andere wäre indiskutabel. Clara ist sehr schön und der Leser erfährt in Rückblicken mehr und mehr von dem großen Skandal, der ihre Familie aufs Äußerste erschüttert hat und all ihr Hoffnungen auf eine Ehe mit Lord Hawksbury zunichte machte. Nachdem sie zum Gespött der höheren Gesellschaft wurde, was Clara lange Zeit weder begriffen noch in angemessener Form verarbeiten konnte, führt Gott ihre Wege auf geheimnisvolle Weise. Sie macht in der örtlichen Bibliothek die Bekanntschaft von Matilda und Tessa. Matilda ist die Frau des örtlichen Pastors mit einem klaren und weitem Herzen, natürlich weit unter Stand, doch durch sie bekommt Clara wieder nach und nach eine Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu anderen Menschen und sie erkennt, in welch eigensüchtiger und oberflächlicher Blase sie lebte. Langsam beginnt der Panzer um ihr Herz zu bröckeln und sie beginnt zu glauben, dass Gott doch noch ein Leben für sie bereit hält, bis sie mit Schrecken feststellt, dass Benjamin, Matildas und Tessas Bruder, der Mann ist, der sie auf den Klippen gerettet hat.....Benjamin Kemsley war ein hochrangiger Kapitän im Dienste seiner Majestät, bis ihm nach einem tragischen Unfall mit Todesfolge sein Titel aberkannt wurde. Seitdem lebt er bei seiner Schwester im Haushalt, an Körper und Seele verletzt und dennoch immer noch mit genügend Gottvertrauen ausgestattet und weiß nicht, wie sein Leben nun weitergehen soll. Die höhere Gesellschaft schmückt sich gern mit dem gutaussehenden ehemaligen Kapitän und seiner Geschichte, er wird als Held verehrt, doch wahrer Zugang zu der Gesellschaft bleibt ihm aufgrund seines niederen Standes verwehrt. Die gilt nur seinem ältesten Bruder, der nach dem Tod des Vaters der Titel des Baronets verliehen wurde und der sich so völlig unterscheidet von den drei herzlich zugewandten Geschwistern.Natürlich begegnen sich Clara und Benjamin und während Clara sich trotz der wachsenden Zuneigung zu dem aufrichtigen jungen Mann vor allem darauf bedacht ist, dass er sie ja nicht erkennt und mit ihrem Herzen noch sehr in der Vergangenheit gefangen ist sucht Benjamin vorsichtig Kontakt zu ihr, wohlwissend, dass sie einen viel höheren Stand einnimmt als er und für ihn somit unerreichbar ist. Doch Gottes Pläne unterscheiden sich doch von den Plänen der damaligen Gesellschaft, wie auch heute und wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht...Carolyn Miller hat einen ganz besonderen Regency-Roman geschrieben, der auf wunderbare und tiefschichtige Weise die Charaktere der Protagonisten beschreibt, die strengen und unbarmherzigen gesellschaftlichen Normen und vor allem deren Oberflächlichkeit sowie auch den Glauben an Gott, die Kraft der Vergebung, die einen wirklichen Neuanfang in der Liebe schenken kann. Sehr gut hat mir gefallen, dass sie wahre historische Ereignisse nimmt und darum eine Geschichte entwickelt, die sich genauso hätte zutragen können. Für mich war es das zweite Buch der Autorin und es wird auf jeden Fall nicht das letzte gewesen sein.Sehr lesenswert für alle Jane Austen Leser:)