Ich habe sehr großen Respekt vor jeder Autorin, jedem Autor, die ihre Geschichte mit uns teilen. Und manchmal tut es mir richtig leid, wenn der Funke nicht so recht überspringen will. "In Stormy Weather" ist so ein Fall. Die Autorin schreibt flüssig, spannend, doch die einzelnen Element kommen bei mir nicht an.
Quincy Monroe hat soeben die 1 Million Follower geknackt. So viele Menschen sehen auf ihrem Kanal zu, wenn sie übers Wetter spricht. Die Hurrikansaison fängt gerade erst an und plötzlich ist Sebastian Dunn wieder im Ort. Bruder ihrer besten Freundin und ewiger Konkurrent. Er ist ein berühmter Fernsehmeterologe und ihr Langzeit-Widersacher und rasch geraten die beiden in einen Sturm - auch der Gefühle.
Ein großer Darsteller in diesem Roman ist das Wetter an sich, Hurrikans, Tornados. Immer wieder wird betont, wie einfach Quincy solche Phänomene ihrem breiten Publikum erklärt. Leider dürfen wir das nicht miterleben, denn gerade für mich aus dem europäischen Raum sind das wirkliche Fremdwörter und ich hätte gerne mein Wissen erweitert und dadurch vielleicht die Geschichte besser verstanden.
Der Roman ist abwechselnd aus Quins und Sebs Perspektive erzählt. Ihr wisst, ich mag das sehr gerne, weil es mir hilft, beide gut zu verstehen. Hier hat das leider nicht funktioniert, irgendwie sind mir die Protagonisten nicht näher gekommen. Seb mag seine Arbeit nicht mehr, er kann aber noch nicht genau in Worte fassen, was ihn an dem Traumjob in New York so stört. Da erfährt er von einer Stelle beim National Weather Service.
Was er nicht weiß, auch Quin hat sich beworben. Quin ist brillant, eine echte Expertin auf ihrem Gebiet. Immer wieder lässt sie durchblicken, dass sie als Frau in diesem Job doppelt so hart arbeiten muss und mit Vorurteilen kämpft. Heftig, aber in den Geschehnissen spürt man es nicht und diese Elemente, in denen sie abrupt darüber spricht, wie fertig sie ist, weil sie immer kämpfen muss, kamen bei mir erzwungen an.
Einzig beim Jobinterview erleben wir live, wie sie ungerecht behandelt wird - und da rettet sie ausgerechnet ihr Erzfeind und Mitbewerber Seb. Quin ist erleichtert, weil sie jetzt nicht mehr alleine kämpfen muss, auf mich wirkte seine "Rettungsaktion" aber fast übergriffiger als das ungerechte Vorstellungsgespräch an sich.
Man spürt beim Lesen, dass Seb eigentlich schon lange in Quin verknallt ist, deshalb fand ich sein grundsätzliches bissiges Verhalten oft nicht verständlich und eher einem Teenager würdig. Etwa zur Hälfte des Buches kommen sich die beiden richtig nahe. Spicy hin oder her, zwei Kapitel hintereinander war mir dann auch zu viel des Guten. Danach streiten sie wieder, lieben sich und jagen gemeinsam Hurrikans.
Gerade als man wirklich spürt, wie genial Quincy ist, beschließen die beiden, einem Hurrikan der Stufe 5 entgegenzufahren. Und ich fragte mich beim Lesen dieser Szenen mehr als einmal, wie blöd man sich verhalten kann. Warum gerade die Aufzeichnungen aus dem Sturm, für die sie sich wissentlich in Lebensgefahr bringen, so viel neue Informationen bringen sollen, wo doch heute jeder mit der Handykamera draufhält, verstehe ich nicht ganz. Und nachdem man zu Beginn des Sturmes schon in Gefahr war, geht man doch nicht in der Ruhe im Auge des Sturmes erneut viel zu weit vom halbwegs sicheren Rückzugsort weg?!
Dann noch etwas Aufregungen, weil man Lebewesen im Sturm gerettet hat. Tja, bei über 200 km/h Windstärke frage ich mich, wo sind die Lebewesen gelandet? Mitgebracht in den Safe Place wurden sie nicht, also anscheinend im Hurrikan von Platz A nach B im Freien gebracht, damit war doch die ganze Aktion umsonst, oder?
Für den tollen Erzählstil der Autorin gibt es den einen oder anderen Pluspunkt - und für den liebenswerten Freundeskreis der beiden. Da bahnen sich in meinen Augen erneut Dramen und Liebesgeschichten an und ich habe mich beim Lesen ertappt, dass ich viel lieber gewusst hätte, wie es bei diesen Handlungssträngen weitergeht als bei der Hauptgeschichte. Man wird es wohl im zweiten Teil erfahren.
Fazit:
Ein stürmisches Auf und Ab, das mich nicht abgeholt hat.