Was im Wien der Zwischenkriegszeit das Café Herrenhof oder das Café Central ist, nämlich ein Wohnzimmer für Exilanten, Literaten, Künstler und sonstige Heimatlose, ist in Berlin das Romanische Café. Wie der Titel Café Babylon andeutet, ist dieses Kaffeehaus temporäre Heimat zahlreiche interessante Menschen unterschiedlicher Herkunft, weshalb ein babylonisches Sprachengewirr herrscht.
Autor Christian Buckard lässt die zwanzig Jahre zwischen 1913 bis 1933 Revue passieren. Das Buch ist nicht nur die Geschichte einer Berliner Institution sondern auch jene von den Besuchern und den Kellnern. Wir treffen das Who ist Who der damaligen Gesellschaft von Filmregisseuren wie Erich Pommer und Billy Wilder über den rasenden Reporter Egon Erwin Kisch, Erich Kästner, Kurt Tucholsky und Max Schmeling sowie starke Frauen wie Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko und Elisabeth Bergner.
Über die Frauen hätte ich gerne noch mehr gelesen, gibt ihnen das Café in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung Hitlers eine bis dahin nie gekannte Freiheit.
1933 ist Schluss, Schluss mit der Weimarer Republik, Schluss mit der Freiheit der Kunst, der Literatur und der Menschen, Schluss mit dem Treffen der Intellektuellen im Romanischen Café. Sie werden von den neuen Herrschern verfemt, verfolgt, vertrieben und ermordet. Das Gebäude des Romanischen Cafés wird durch einen Bombenangriff zerstört und nicht wieder aufgebaut. An seiner Stelle in der Tauentzienstraße 9-11 ist heute das Europa Center zu finden, in dem interessierten Besucher mit einigen Ausstellungen das Romanische Café vorgestellt wird.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Biografie einer Institution 5 Sterne und eine Leseempfehlung.