Münchner Flair, Wohlfühl-Atmosphäre, liebenswürdige, originelle Figuren, spannungsmäßig ruhiger Cosy-Krimi.
Mit "Knödelmord im Sperrbezirk" von Coco Eberhardt stieg ich quer in den mittlerweile fünften Band dieser München-Krimi-Reihe ein.Nicht nur das Cover hat mich als Fan bayrischer Krimis sofort angesprochen, sondern mich machte auch die Hauptfigur neugierig - Konstantin, Leiter eines Bestattungsunternehmens. Das 2026 erschienene Buch liest sich wirklich flott und leicht, die Charaktere sind - typisch für einen Cosy-Krimi - durchwegs sympathisch, originell bis skurril. Ich fand mich als Quereinsteigerin gut in Konstantins Umfeld zurecht. Essentielles aus den Vorgängerbänden wurde erwähnt bzw. erklärt. Dennoch glaube ich, dass es besser ist, beim ersten Buch zu beginnen. Man versteht dann Konstantins Wesen und seine Entwicklung besser.Die Geschichte setzt sich quasi aus zwei Handlungssträngen zusammen. Da ist einerseits Konstantins Suche nach "Rotkäppchen", einer jungen Frau, die er bei einem Kostümball kennengelernt hat, die dann aber à la Aschenputtel entschwand, ohne dass er Näheres über sie erfahren hatte. Andererseits trifft Konstantin ein schwerer Schlag. Seine langjährige Psychotherapeutin verstirbt plötzlich. Und gerade jetzt hätte er seelischen Beistand so nötig, wo er sich unerwartet mitten in den Ermittlungen zu einem Cold Case wiederfindet. Noch dazu erbte er ein Mietshaus, mit dem er sich befassen muss.Konstantin, aus dessen Sicht erzählt wird, steht im Mittelpunkt, ihn umgeben jedoch eine ebenfalls liebenswerte Gemeinschaft aus Patchwork-Familie und guten Freunden. Alle wirken lebendig, gut vorstellbar. Konstantin ist ein Mensch, den man einfach mögen muss: hilfsbereit, familiär, gutmütig, aber auch ein wenig schüchtern, eher zurückhaltend. Auch bei den Ermittlungen ist er eher nicht die treibende Kraft, sondern der Mitläufer, der irgendwie dann doch hineingerät in die Troubles. Mir gefiel Konstantins privates Umfeld, das freundliche Ambiente innerhalb der Familie. Auch das Münchner Flair kam gut herüber.Die Handlung an und für sich ist jetzt nicht kribbelig spannend. Es verläuft alles eher ruhig, unaufgeregt, und dennoch bleibt man neugierig - einerseits auf die Person des "Rotkäppchens" und andererseits, ob sich wohl der Cold Case noch lösen lässt. Erst gegen Ende, nach einem Mordfall und einigen recht überraschenden Wendungen und Erkenntnissen, wird es noch temporeich, dramatisch und Konstantin greift aktiv ein. Und dann schließt das Buch mit einem Clou ...Mich hat der Krimi gut unterhalten, mit seiner Wohlfühl-Atmosphäre, den empathischen Figuren und dem Hauch von Romantik. Doch ich erwarte mir auch bei einem Cosy-Krimi ein wenig mehr Action, mehrere Szenen, wo es ein bisschen prickelt. Das fehlte mir. Mir war der Krimi spannungsmäßig zu ruhig. Daher gibt es von mir nur 4 Punkte.