Während einer Führung durch die Stollen der ehemaligen Salzbergwerks in Ebensee, das während der NS-Zeit ein Nebenlager des KZ Mauthausen war, wird ein Mobiltelefon mit einem Hilferuf entdeckt. Es ist eine Aufnahme zu sehen und hören, in der eine Frau namens Sara Lewandowski Opfer einer Entführung geworden ist.
Ben Achleitner vom LKA Linz übernimmt die Suche nach Sara. Dabei stellt sich heraus, das der Name Lewandowski in Ebensee nicht ganz unbekannt ist, ist doch im Jahr 1959 bei einer verheerenden Flut ein Mann dieses Namens verschwunden. Doch genaueres ist zunächst nicht zu erfahren, leben doch nur mehr wenige Personen, die sich an die Naturkatastrophe erinnern können. Einer davon ist Bens Großvater, der im Beisein von Bens Jugendfreundin der Ärztin Marie, erstmals über sein streng gehütetes Geheimnis, das bis in die NS-Zeit zurückreicht, spricht.
Die Ermittlungen rund um die vermisste Frau gestalten sich schwierig, denn Ebensee hat durch die Vergangenheit gelernt, dass es einfacher zu überleben ist, wenn alle schweigen.
Wird Ben Achleitner die verschwundene Sara Lewandowski finden können?
Meine Meinung:
Dieser Regionalkrimi, der mit viel Lokalkolorit des oberösterreichischen Salzkammerguts aufwartet, führt uns mit dem Geheimnis von Bens Großvater in die NS-Zeit zurück, an die bis heute viele Bewohnerinnen und Bewohner nicht gerne erinnert werden wollen. Obwohl es ein Museum für Zeitgeschichte gibt, das die politische Entwicklung des Salzkammerguts zwischen 1918 und 1955 eindrucksvoll beleuchtet, wurde das Memorial, das an jene Mitbürger erinnert, die der NS-Zeit zum Opfer gefallen sind, erst 2025 errichtet. Elf der fünfundzwanzig namentlich Genannten sind auf Schloss Hartheim ermordet worden.
Autorin Dagmar Hager bettet die Ereignisse der NS-Zeit und der Jahre danach sehr gut in die persönliche Geschichte der (fiktiven) Familie Achleitner ein. Hier spielt sie ihre schriftstellerische Klasse aus, als Ben entdeckt, wie ein bislang unbekannter, ererbter Schatten, unbewusst Einfluss auf sein eigenes Leben hat. Denn diese Schatten sind seine eigenen Dämonen. Ich mag ja Bens Großvater, der nun, über neunzigjährig von seiner großen Last befreit wirkt, zumal die Suche nach der vermissten Frau eine große Überraschung für ihn bereit hält.
Nicht nur Bens Großvater erlebt eine große Überraschung, sondern auch für uns Leser hält Dagmar Hager eine unerwartete Wendung bereit. Was das genau ist, will ich nicht verraten.
Wie schon in den Vorgängern, spielt auch diesmal die Ärztin Marie, die mit Ben eine gemeinsame Vergangenheit hat, wieder eine große Rolle. Man wird sehen, ob die beiden eine Zukunft miteinander haben.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der mit einer überraschenden Auflösung aufwartet, 5 Sterne und eine Leseempfehlung, die für die ganze Reihe gilt.