Eine literarisch gut erzählte, äußerst spannende Abenteuergeschichte
Im Jahr 1845 brach die Expedition unter der Leitung von Sir John Franklin mit den beiden SchiffenErebusundTerrorauf, um die Nord-West-Passage zu finden, den nördlichen Seeweg, der den langen südlichen Weg um das Kap Hoorn unnötig machen sollte. Von dieser Expedition kehrten nur diejenigen lebend zurück, die bereits nach kurzer Zeit wegen Krankheit oder Untauglichkeit umkehren mussten. Erst im Jahr 2014 wurde das Wrack derErebusgefunden, 2016 das derTerror. Leichen in Zelten und bei einem Ruderboot sowie spärliche schriftliche Aufzeichnungen wurden im Laufe der Jahre entdeckt.In Simmons Darstellung der Geschichte ist der Hauptcharakter nicht Franklin, der Kapitän derErebus, sondern Francis Crozier, ein Mann von eher bescheidener Herkunft, der es trotzdem zum Kapitän derTerrorgebracht hat. Verschiedene andere Personen der Mannschaften und der Schiffsarzt Dr. Harry Goodsir kommen zu Wort. Den Leser erwartet ein wahrhaftiger Roman, eine literarisch gut erzählte, spannende Abenteuergeschichte, wie es sich abgespielt haben könnte, einschließlich der Ängste der beteiligten Männer, ihrer Leiden und ihres Umgangs mit dem bevorstehenden Tod.Hinzu kommt ein Wesen, das im Eis lebt, die Schiffe begleitet und sich immer wieder ein oder mehrere Opfer holt, unter anderem Sir John Franklin, dessen letzte Lebenssekunden von Angst und Schrecken geprägt sind.Um nichts in der Welt hätte ich auf dieses Wesen aus dem Eis verzichten wollen. Erst dadurch bekommt die Geschichte ihren besonderen Touch, der weit über den schon oft beschriebenen Überlebenskampf in unwirtlicher Umgebung hinausgeht. Erst durch die Auseinandersetzung mit diesem Wesen und der Angst davor, die es zu überwinden gilt, kommt Croziers gesamte menschliche Größe zum Vorschein, sein Verständnis für seine Mannschaft, aber auch für die Landschaft, die Natur, die Menschen ringsum. Der ganze Roman gewinnt dadurch für mich an Bedeutung, Crozier und einige andere Charaktere werden zu "inneren Helden". Sie müssen nicht das Eis, das Wetter oder den Hunger bekämpfen, sondern sie müssen ihre inneren Werte verteidigen, Mensch bleiben und so erst gar nicht auf den Gedanken kommen, ihre Kameraden zu ihrem eigenen Vorteil zu verraten oder gar zu essen. Genau das liebe ich an Science-Fiction/Fantasy: das zusätzliche Gewürz, das den Roman besonders schmackhaft macht.