Im vierten Fall von Kate Shugak konnte mich Dana Stabenow wieder überzeugen. Auch wenn ich dieses Mal etwas länger brauchte, mich in ihren schnörkellosen Schreibstil hineinzufinden, obwohl die Geschichte direkt los ging und das sehr schnell. Vielleicht lag es daran, dass ich mich erst einmal orientieren musste. Kate ist nämlich bereits in Anchorage in Jacks Haus und trifft sich dort mit dem CEO der Ölfirma RPetCo John King und seinem Sicherheitschef Lou Childress. King heuert -entgegen dem Willen von Childress- Kate an, auf den Ölfeldern zu ermitteln, denn es gab einen Toten nach einem Drogenkonsum. Die Baracken und der fern jeder Stadt liegende Lebensmittelpunkt der Arbeiter wird seit geraumer Zeit von erheblichen Mengen Drogen überschwemmt und führt zu exzessiven Drogenparties. Der Boss ist ratlos wie das Kokain ins Lager kommt und Kate soll verdeckt als Arbeiterin dessen Weg und den Schuldigen finden. Kate fliegt mit dem Firmentransporter und den Arbeitern (jede Crew arbeitet eine Woche und ist dann eine Woche daheim) als Leiharbeiterin in die Prudhoe Bay. Sie wird Fahrerin des Busses, mit der die dort tätige Mitarbeiterin den Politikern und hochrangigen Persönlichkeiten die Ölfelder zeigt. Sie nimmt am Leben teil und kommt zunächst keinen Schritt weiter. Nach und nach durchleuchtet sie aber die Arbeiter und kann auch mithilfe von Unterlagen und ihrer Erfahrung als frühere Staatsanwältin schließlich mehr in Erfahrung bringen.
Und hier zeigt sich wieder einmal das Können von Dana Stabenow, Sie kann ihr eigenes Wissen von den Arbeiten auf Ölfeldern mit denen ihrer Heldin geschickt verweben. Im Nachwort beschreibt sie nämlich ihre eigenen Jahre auf Ölfeldern in Alaska und, dass sie schließlich auch selbst als Fremdenführerin bei einer anderen Öl-Firma tätig war. Sie beschreibt daher den Alltag dort so authentisch, wie in jedem ihrer bisherigen Romane, der hier wieder einen gewissen Raum neben den eigentlichen Ermittlungen einnimmt. Was ich neben diesem und den landschaftlichen, exzellenten Beschreibungen, wie der klirrenden Kälte und den Schneeverwehungen in Prudhoe Bay ebenfalls wieder sehr informativ und lesenswert fand war, dass auch etwas über das kulturelle Erbe der dort lebenden indigenen Bevölkerung erzählt wird. Dieses Mal u.a. in Form eines archäologischen Forschungsteam, was unweit des Ölfeldes Ausgrabungen vornimmt und deren Arbeiter ebenfalls Inhalt des Falles sind. Für Leser des letzten Bandes findet sich sogar ein Hinweis auf die Messermalerei, was ich toll fand, denn es verwebt die einzelnen Teile miteinander, ohne dass man aber Vorkenntnisse haben müsste. Kate kommt einem als Leser immer mehr wie eine gute Freundin vor, mit ihren Gedanken und ihrem Wissen. Ich habe mich auf diesen Band schon richtig gefreut und schliesse das Buch mit einer guten Lösung des Falles und dem Wissen, dass ich auch den nächsten Band schon sehr erwarte. Ich will gerne wissen, wie es mit Kate, Mutt und Jack weitergeht. Von mir wieder eine klare Leseempfehlung, insbesondere für Leser, die den Fokus nicht nur auf einen Kriminalfall legen, sondern auch gerne etwas über Alaska und die Zeit und das Denken um 1995, als der Roman erstmals veröffentlicht wurde, wissen wollen.