Charlie Gordon schafft es unter normalen Umständen kaum, einen ganzen Satz zu lesen oder zu schreiben. Dennoch träumt er davon, zu lernen und zu verstehen. Dann bietet sich ihm eine einmalige Möglichkeit: Er kann an einem Experiment teilnehmen, das ihn intelligenter machen soll, genau wie die Labormaus Algernon. Tatsächlich lernt Charlie, die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen, doch ihm gefällt nicht, was er sieht. Schon bald hat er aber ganz andere Sorgen, denn nachdem er mit Algernon im Gepäck geflohen ist, zeigt die Maus plötzlich besorgniserregendes Verhalten und Charlie ahnt, dass ihm Ähnliches blüht... Daniel Keyes Gedankenexperiment aus den 1960er Jahren hat mittlerweile den Status eines modernen Klassikers erreicht. Klug spielt der Autor mit verschiedenen Sichtweisen auf Überlegungen zum Potenzial von Intelligenz, vergisst dabei aber auch die menschliche Seite nicht. Man merkt dem Buch natürlich seine Entstehungszeit an, es ist leider stark männlich geprägt, die Frauen sind eher schmückendes Beiwerk oder Objekt von Gedanken und Sehnsüchten als echte Handlungsträger, darüber hinaus ist es allerdings recht reflektiert. Der Einstieg in die Geschichte kann sich ein wenig holprig anfühlen, denn Charlie selbst berichtet mithilfe seiner Forschungstagebücher, immer im Rahmen seiner Möglichkeiten. Das heißt, zu Beginn ohne Punkt und Komma und ohne jegliche Rechtschreibung. Es ist gar nicht mal so leicht, seinen Gedanken zu folgen, manchmal ist es eher Rätselraten als Lesen. Das ändert sich mit der Zeit, umso mehr Charlie versteht, umso flüssiger und hochgestochener werden seine Texte, bis sie beinahe wissenschaftlich distanziert klingen. Auch seine restliche Wandlung ist spannend (und besorgniserregend) zu beobachten. Er wird vom relativ glücklichen geistig Behinderten zum deprimierten Genie, das jede Äußerung hinterfragt, keinen Sinn in seiner Existenz findet und sich noch mehr als zuvor von der Menge der Menschen unterscheidet, keinen Zugang zu den anderen Leuten findet, auch wenn er sie nun besser versteht. Immer wieder ist das Buch sehr nachdenklich und auch traurig, wenn es Charlies Wandel und seine Erkenntnis über das Platzen seiner Träume und Wahrheiten zeigt. Umso weiter er aufsteigt, umso mehr hadert er mit seinem Schicksal und rebelliert dagegen, kämpft auf seine ganz eigene Weise gegen seine inneren Gegensätze und versucht die beiden kollidierenden Teile seines Lebens zu vereinen und seine Vergangenheit zu akzeptieren. Dazu bleibt ihm dann aber auch kaum genug Zeit, denn die Zukunft jagt ihn mit großen Schritten. Wirklich überraschend endet das Buch nicht, dafür umso trauriger, auf eine melancholisch-nachdenkliche Weise, während es uns noch einmal eindrücklich unser angeknackstes Wertsystem vor Augen führt; zeigt, wie arrogant wir sind, ohne es zu merken, für wie moralisch überlegen wir uns gegenüber Schwächeren halten, weil wir meinen, am besten zu wissen, was sie brauchen, ohne sie je nach ihrer Meinung gefragt zu haben. Ein klares Fazit zieht die Geschichte natürlich nicht, aber das war auch gar nicht der Sinn. Stattdessen hallt dieses kluge, noch immer überraschend realistische und befremdliche Gedankenexperiment noch lange nach.Charlie Gordon schafft es unter normalen Umständen kaum, einen ganzen Satz zu lesen oder zu schreiben. Dennoch träumt er davon, zu lernen und zu verstehen. Dann bietet sich ihm eine einmalige Möglichkeit: Er kann an einem Experiment teilnehmen, das ihn intelligenter machen soll, genau wie die Labormaus Algernon. Tatsächlich lernt Charlie, die Welt mit ganz anderen Augen zu sehen, doch ihm gefällt nicht, was er sieht. Schon bald hat er aber ganz andere Sorgen, denn nachdem er mit Algernon im Gepäck geflohen ist, zeigt die Maus plötzlich besorgniserregendes Verhalten und Charlie ahnt, dass ihm Ähnliches blüht... Daniel Keyes Gedankenexperiment aus den 1960er Jahren hat mittlerweile den Status eines modernen Klassikers erreicht. Klug spielt der Autor mit verschiedenen Sichtweisen auf Überlegungen zum Potenzial von Intelligenz, vergisst dabei aber auch die menschliche Seite nicht. Man merkt dem Buch natürlich seine Entstehungszeit an, es ist leider stark männlich geprägt, die Frauen sind eher schmückendes Beiwerk oder Objekt von Gedanken und Sehnsüchten als echte Handlungsträger, darüber hinaus ist es allerdings recht reflektiert. Der Einstieg in die Geschichte kann sich ein wenig holprig anfühlen, denn Charlie selbst berichtet mithilfe seiner Forschungstagebücher, immer im Rahmen seiner Möglichkeiten. Das heißt, zu Beginn ohne Punkt und Komma und ohne jegliche Rechtschreibung. Es ist gar nicht mal so leicht, seinen Gedanken zu folgen, manchmal ist es eher Rätselraten als Lesen. Das ändert sich mit der Zeit, umso mehr Charlie versteht, umso flüssiger und hochgestochener werden seine Texte, bis sie beinahe wissenschaftlich distanziert klingen. Auch seine restliche Wandlung ist spannend (und besorgniserregend) zu beobachten. Er wird vom relativ glücklichen geistig Behinderten zum deprimierten Genie, das jede Äußerung hinterfragt, keinen Sinn in seiner Existenz findet und sich noch mehr als zuvor von der Menge der Menschen unterscheidet, keinen Zugang zu den anderen Leuten findet, auch wenn er sie nun besser versteht. Immer wieder ist das Buch sehr nachdenklich und auch traurig, wenn es Charlies Wandel und seine Erkenntnis über das Platzen seiner Träume und Wahrheiten zeigt. Umso weiter er aufsteigt, umso mehr hadert er mit seinem Schicksal und rebelliert dagegen, kämpft auf seine ganz eigene Weise gegen seine inneren Gegensätze und versucht die beiden kollidierenden Teile seines Lebens zu vereinen und seine Vergangenheit zu akzeptieren. Dazu bleibt ihm dann aber auch kaum genug Zeit, denn die Zukunft jagt ihn mit großen Schritten. Wirklich überraschend endet das Buch nicht, dafür umso trauriger, auf eine melancholisch-nachdenkliche Weise, während es uns noch einmal eindrücklich unser angeknackstes Wertsystem vor Augen führt; zeigt, wie arrogant wir sind, ohne es zu merken, für wie moralisch überlegen wir uns gegenüber Schwächeren halten, weil wir meinen, am besten zu wissen, was sie brauchen, ohne sie je nach ihrer Meinung gefragt zu haben. Ein klares Fazit zieht die Geschichte natürlich nicht, aber das war auch gar nicht der Sinn. Stattdessen hallt dieses kluge, noch immer überraschend realistische und befremdliche Gedankenexperiment noch lange nach.