Ein toller verzwickter und sehr atmosphärischer Kriminalroman mit britischem Humor
Mit seinem Kriminalroman ¿Der Tote im Kutter¿ hat Denzil Meyrick einen wunderbaren, tiefgründigen und vielschichtigen Roman erschaffen. Das Ergebnis kann sich echt sehen lassen, denn entstanden ist ein genialer, skurriler und gleichzeitig düsterer Krimi! Der Schauplatz befindet sich dieses Mal im winterlichen und tief verschneiten Fischerdorf Uthley Bay an der Küste von Yorkshire, in welches Inspector Frank Grasby geschickt wird. Dort soll er den mysteriösen Mord an einem angespülten Mann aufklären, der mit einem Damenstrumpf erdrosselt wurde. Und das ganze ist doch sehr viel spektakulärer als es zunächst den Anschein hat. Frank schlittert mitten im dicksten Schneesturm voll in einen riesigen Schmugglerring für Nylonstrümpfe. Die waren damals wegen der Rationierungen nach dem Krieg ja heißer begehrt als Gold. Und als wäre das nicht schon genug Chaos, gibt¿s im Dorfpub gleich die nächste Leiche und eine Drohnotiz aus Zeitungsschnipseln. Ich musste beim Lesen teilweise echt laut lachen, weil dieser typisch trockene, britische Humor so genial rüberkommt. Die Dialoge zwischen Frank und den sturen Dorfbewohnern sind der Hammer, da sitzt einfach jedes Wortspiel. Aber ¿ und das hat mich echt kalt erwischt ¿ das Buch hat auch eine richtig ernste, fast schon traurige Seite. Die Leute sind alle noch so traumatisiert vom Zweiten Weltkrieg, alles ist grau, kalt und von Paranoia geprägt. Man riecht beim Lesen förmlich den Kohlenrauch in den engen Gassen und friert richtig mit. Dieser abrupte Wechsel von Slapstick zu Franks düsteren Flashbacks... Wahnsinn, wie der Autor das balanciert hat.Erzählt wird das Ganze übrigens aus Franks Sicht, und das Besondere daran ist: Das Ganze soll auf seinen alten Memoiren basieren, die ein fiktiver Herausgeber später zusammengeflickt hat. Frank spricht seine Leserschaft auch immer mal wieder direkt an, was sich super vertraulich anfühlt.Und die Charaktere erst! Franks Chef, Superintendent Juggers, ist komplett irre. Der Mann geht im eiskalten Dezember nackt im Meer baden und schleppt ein halbes Waffenarsenal in einer Kiste rum, die aussieht wie ein Sarg. Und dann taucht auch noch Franks Vater mit seiner neuen Flamme im selben Hotel auf und zettelt uralte Familiendramen in der Lobby an. Okay, ehrlicherweise muss ich sagen: Diese ganzen Lobby-Szenen haben das Erzähltempo zwischendurch ein bisschen ausgebremst. Da wurde es mir kurz zu klamaukig und bei den vielen Figuren verliert man schnell den Überblick, wer jetzt eigentlich Dreck am Stecken hat und wer nicht.Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass ¿Der Tote im Kutter¿ im Winter spielt und so kommt es oft vor, dass es schneit, die Wege glatt und schneebedeckt sind und mit Schnee gefüllte Wolken über die Ortschaft schweben. Kalte, frostige Tage, an denen alles frisch und wie neu erschaffen wirkt, die kalte Luft, die nach Schnee riecht, die Wintersonne, die nicht mehr wärmt, und das raue, peitschende Meer sorgen für das passende Stimmungsbild.Aber das Ende holt alles wieder raus. Das Mordmotiv ist so clever gestrickt und es gibt Wendungen, mit denen ich niemals gerechnet hätte.Fazit: Am Ende bleibt für mich aber ein richtig trauriger Beigeschmack: Denzil Meyrick ist ja leider am 14. Februar 2025 verstorben. Es bricht mir echt das Herz, dass von ihm nichts Neues mehr kommen wird. Aber mit diesem Buch hat er sich echt ein Denkmal gesetzt. Wer auf atmosphärische, britische Krimis mit einer ordentlichen Portion schwarzem Humor steht, ist hier genau richtig!