Zuallererst ein Hinweis: dieses Buch spielt zwar chronologisch gesehen nach den Ereignissen von Metro2033, aber es ist keine Fortsetzung im herkömmlichen Sinne. Artjom ist nicht länger ein Hauptcharakter und die Ereignisse aus dem Vorgänger-Werk spielen nur am Rande eine Rolle. Metro2034 ist aus meiner Sicht mehr als ein eigenständiges Werk zu betrachten, das im gleichen Universum angesiedelt ist.Für mich spielt dieser Aspekt allerdings keine große Rolle, da es mir vorrangig darum geht eine gut erzählte Geschichte zu erleben und Artjoms Handlungsbogen für mich in Metro2033 bereits einen zufriedenstellenden Abschluss gefunden hat.Was mir auch in diesem Buch wieder gut gefallen hat ist insgesamt der Schreibstil von Dmitry Glukhovsky, den ich wirklich zu schätzen weiß und der stimmungsvoll die unterirdische Welt der Moskauer Metro zum Leben erweckt. Oft gelingt es ihm mit wenigen Sätzen ein stimmungsvolles Bild einer Situation zu zeichnen. Als ein Beispiel, so beschreibt er das Büro eines Stationsvorstehers:"Die Lampe mit dem breiten grünen Schirm hing tief über dem runden Tisch. Sie beleuchtete einige vergilbte Blätter, auf denen mit Bleistift Grafiken und Diagramme eingezeichnet waren. Es war eine schwache Birne, höchstens vierzig Watt, aber nicht weil man Strom sparen musste - das war an derSewastopolskajawirklich kein Problem -, sondern weil der Besitzer dieses Büros grelles Licht nicht mochte. Der Aschenbecher quoll über von ausgedrückten Kippen - alles Selbstgedrehte von schlechter Qualität. Ätzender, blaugrauer Rauch hing in trägen Schwaden unter der niedrigen Decke."Wenn ich das lese, habe ich direkt ein klares Bild vor Augen, wie ich mir das Büro vorstellen kann. Und so wie es beschrieben wurde, verrät es auch bereits einiges über den Stationsvorsteher selbst.Was mir an der Erzählweise weniger gut gefallen hat war die Vielzahl der Szenenwechsel, die mehrmals pro Kapitel stattfanden. In den ersten Kapiteln ist mir das allerdings noch nicht so negativ aufgefallen. Zwar wurde die Geschichte dort schon aus verschiedenen Perspektiven erzählt, aber dort waren es verschiedene Figuren der StationSewastopolskaja, die sich mit der mehr oder weniger gleichen Situation auseinandersetzten.Ab etwa Kapitel 4 wird ein neuer Hauptcharakter in die Handlung eingeführt. Ab da springt die Erzählung immer wieder zwischen den Perspektiven der Hauptcharaktere hin und her, die sich zu diesem Zeitpunkt an gänzlich verschiedenen Orten und unterschiedlichen Situationen wiederfinden. Hier empfand ich die Häufigkeit der Szenenwechsel dann eher als anstrengend, da man sich kaum in die Szenen hineingedacht hatte, als bereits erneut ein Wechsel der Perspektive stattfand.Deutlich angenehmer hätte ich es hier empfunden, wenn die Perspektivenwechsel kapitelweise stattgefunden hätten.Mein Hauptkritikpunkt an dem Buch ist für mich die Handlung an sich. In Metro2033 war die Handlung eine tiefe Expedition ins Innere der Metro, die dort als ein geheimnisvoller, vielschichtiger Ort präsentiert wurde. Jede Metro-Station war eine Art Mikrokosmos. Der Grund für diese Expedition lag in einer geheimnisvollen Bedrohung, zu der es schließlich eine äußerst interessante Auflösung gab, die definitiv zum Nachdenken anregte.Auch in Metro2034 wird wieder die Metro bereist, aber als Leser des 1. Buches hatte ich nicht den Eindruck noch besonders viel "Neues" bei dieser Reise zu entdecken. Auch dieses Mal versucht man eine bestimmte Gefahr einzudämmen. Worum es sich dabei genau handelt, das möchte ich an dieser Stelle nicht vorgreifen. Auch hier schwingen wie in Buch 1 auch wieder philosophische Überlegungen mit. Hier muss ich aber sagen, dass das Ende dieses Mal längst nicht eine solche Wirkung bei mir entfalten konnte wie noch in Metro2033.Insgesamt wirkt die Handlung an manchen Stellen etwas konstruiert, unglaubwürdig oder gestreckt.MeinFazitist nun folgendes:Das Buch ist nicht schlecht. Aber ich hätte trotzdem deutlich mehr erwartet. Nicht nur weil ich Metro2033 gelesen habe, sondern weil ich insgesamt schon sehr viel von Glukhovsky gelesen habe. Future, Sumerki, Text, Outpost sind für mich allesamt großartige Werke. Insbesondere Future. Bei diesen Werken hatte ich den Eindruck, dass es dem Autor gelungen ist eine bestimmte Vision zu Papier zu bringen, die er sich vorgenommen hatte. Bei Metro2034 ist mein Eindruck eher, dass man einen zweiten Teil in einem von Fans beliebten Universum schreiben wollte - aber die Handlung und die Idee dahinter dafür nur wenig Neues bereithalten.Ich empfehle dieses Buch denjenigen, die wirklich unbedingt mehr aus der Metro-Welt lesen wollen. Anderen Lesern empfehle ich eher die anderen Werke von Glukhovsky, die ich aufgelistet habe.