Mehr Romance und Teenie Drama als Thriller. Vieles wirkte konstruiert, die Figurenlogik blieb für mich oft nicht nachvollziehbar.
Durch die fehlende Nachvollziehbarkeit vieler Gedanken, Entscheidungen und dramatischer Entwicklungen verliert mich die Geschichte zunehmend. Obwohl wir sehr viel Zeit in Ryans Gedankenwelt verbringen und die Handlung insgesamt eher ruhig verläuft, konnte ich ihren Schlussfolgerungen erstaunlich oft nicht folgen.Gedanken und Emotionen tauchen teilweise auf, ohne dass für mich erkennbar wäre, was sie ausgelöst hat. Gleichzeitig reagiert Ryan in Situationen, die eigentlich bedrohlich wirken müssten, auffällig gelassen. Dadurch hatte ich immer wieder das Gefühl, dass wichtige Zwischenschritte fehlen oder Entwicklungen vorweggenommen werden, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sinnvoll erscheinen. Gerade weil ihre Innenwelt so viel Raum bekommt, hat mich das zunehmend aus der Geschichte gebracht.Auch das gesamte Umfeld wirkte auf mich stark konstruiert. Die Verbrechen ihres Vaters liegen bereits zehn Jahre zurück, sind in Starling aber trotzdem nahezu permanent präsent. Ryan wird ständig damit konfrontiert und auch das Verhalten der Menschen um sie herum wirkt häufig bewusst auf maximale Dramatik ausgelegt. Dazu kommen typische Highschool Konflikte und eine starke Abgrenzung Ryans von den anderen Mädchen, die für mich eher bekannte Teenie Klischees verstärken als ihrer Figur zusätzliche Tiefe geben.Am meisten gestört hat mich allerdings der Umgang mit Schuld. Ryan wird von mehreren Seiten vermittelt, dass sie wegen der Taten ihres Vaters Verantwortung tragen oder anderen etwas schuldig sein müsse. Diese Haltung übernimmt sie teilweise selbst und stellt sogar infrage, ob sie überhaupt Glück verdient. Dafür konnte ich keine nachvollziehbare Grundlage erkennen. Gerade bei einem Jugendroman hätte ich mir bei diesem Thema deutlich mehr Sensibilität gewünscht. Auch der Umgang mit Trauma bleibt für mich stellenweise sehr oberflächlich und wird teilweise sehr einfach aufgelöst.Als Thriller hat mich das Buch ebenfalls nur bedingt erreicht. Über längere Strecken fühlte es sich stärker nach einer Romance mit Love Triangle und Thrillerkulisse an. Viele dramatische Enthüllungen haben bei mir weniger Spannung als Fragen ausgelöst, weil Entscheidungen und Reaktionen der Figuren für mich nicht immer plausibel waren. Einige spätere Lösungen wirkten zusätzlich sehr bequem konstruiert. Das Ende hatte ich zwar nicht vorausgesehen, allerdings weniger wegen eines besonders starken Twists als deshalb, weil meine eigenen Theorien deutlich weiter gingen.Wer gerne Jugendthriller mit viel Teenie Drama, Romance und einem bewusst überzeichneten Umfeld liest, könnte damit eher etwas anfangen. Wer dagegen vor allem nachvollziehbare Figurenentscheidungen, psychologisch stimmige Entwicklungen und einen stärkeren Thrillerfokus erwartet, dürfte hier eher Schwierigkeiten haben.