Anspruchsvoller, aktueller Ökothriller, der aber Durchhaltevermögen voraussetzt, ist ab der zweiten Hälfte ein echter Page-Turner
Nachdem ich "Die Gestirne" von Eleanor Catton gelesen habe, war mir klar, dass ich vermutlich auch diesmal ein Buch in der Hand habe, das des Rätsels Lösung nicht vorschnell preisgibt und viele Umwege gehen könnte. Und in der Tat dauert es schon eine ganze Weile bis überhaupt die angekündigten Protagonisten aufeinander treffen: Mira steht als Gründerin einer nicht-profitablen Öko-Gruppe, die man als Guerilla-Gärtner bezeichnen könnte, auf der einen Seite des Spektrums, und auf der anderen Robert, superreicher Kapitalist. Nun treffen die beiden auf einem Grundstück im Nirgendwo aufeinander, das beide für ihre Zwecke benutzen wollen, die sich an diesen unterschiedlichen Enden des Spektrums unterhalb des Radars bewegen. Doch dieses Zusammentreffen der beiden findet nicht im luftleeren Raum statt. Zahlreiche weitere Akteure, etwa Mitglieder von Miras Bewegung oder die Noch-Besitzer des Grundstücks funken auch noch mit rein. Da alle Handelnden intensiv ihre Gedanken teilen (wenn auch nicht mit den anderen Personen, so doch mit dem Leser) erfährt man ziemlich viel über die Motive, den inneren Antrieb usw. Das sind allerdings oft auch die Passagen, die ich in der ersten Hälfte des Buchs als zu langatmig empfunden habe, zumal es keine Entwicklung der Charaktere im eigentlichen Sinne gibt, vielmehr legt Catton nur immer mehr den Charakter frei.Richtig spannend, wie man es von einem Thriller erwartet, wird das Buch tatsächlich so etwa ab der Hälfte. Ambitioniert ist dabei nicht nur das Thema sondern auch die unglaubliche Konsequenz mit der die Entwicklung am Ende auf die Spitze getrieben wird. Im Fokus bleiben dabei immer die Interessen der Akteure, hier bleibt die Autorin sehr konsequent.Ich habe den Roman durchaus als anspruchsvoller als die "Gestirne" zum Lesen empfunden, zumal es keine echte Kapitelunterteilungen gibt. Es geht alles ineinander über und man muss aufpassen, wann die Perspektive wechselt. Ein von Kapitel von Kapitel lesen gibt es nicht. Die Gliederung geben lediglich drei große Teile vor. Das ist für einen 500-Seiten-Werk schon sehr grob. Dennoch bin ich irgendwann in den Leseflow gekommen, weil die Autorin natürlich auch eine begnadete Erzählerin ist.