Zwei Zeitebenen, ein Geheimnis und viele historische Einblicke ¿ eine Geschichte über Mut, Zusammenhalt und Hoffnung
Dieser Roman knüpft an ¿Die Erbin des Bernsteinzimmers¿ an, lässt sich aber grundsätzlich auch unabhängig davon lesen. Dennoch empfiehlt es sich, den Vorgänger zu kennen, um einige Zusammenhänge noch besser einordnen zu können.Die Handlung entfaltet sich auf zwei Zeitebenen. Einerseits begleiten wir eine Gruppe sogenannter ¿Art Treasure Hunters¿, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland aufbrechen, um wertvolle Kunstschätze vor der Zerstörung zu bewahren. Unter der Leitung von Charlie stellen sich fünf sehr unterschiedliche Frauen dieser gefährlichen Mission. Anfangs könnten sie kaum verschiedener sein, doch mit der Zeit wächst die Gruppe zusammen. Ihre unterschiedlichen Fähigkeiten werden zur Stärke, und gegenseitiger Respekt, Unterstützung und Zusammenhalt helfen ihnen, auch schwierige Situationen zu überstehen.Parallel dazu spielt der zweite Handlungsstrang im Jahr 2019. Emilia Seidel versucht herauszufinden, ob ihr Großvater in das Verschwinden einer jüdischen Familie und deren wertvollen Schmuck verwickelt war. Unterstützung erhält sie von den beiden Hobbyermittlern und Schatzsuchern Fynn und Paul. Besonders Pauls enormes Wissen sorgt dabei immer wieder für interessante historische und landschaftliche Hintergründe.Sehr gelungen sind die klar gekennzeichneten Wechsel zwischen Zeit und Ort, wodurch man den unterschiedlichen Handlungssträngen gut folgen kann. Auch die Übergänge zwischen den Kapiteln sind stilistisch interessant gestaltet: Manche enden mit einem Wortlaut, der im nächsten Kapitel ¿ obwohl es in einer anderen Zeit spielt ¿ wieder aufgegriffen wird. Dadurch wirken die beiden Erzählstränge eng miteinander verwoben.Inhaltlich bietet der Roman viele spannende Ansätze und verbindet historische Ereignisse mit einer persönlichen Spurensuche. Allerdings gibt es auch Passagen, die sich etwas in die Länge ziehen. Gerade im Zweiten-Weltkriegs-Strang nimmt die Spannung stellenweise ab, während der Gegenwartsstrang rund um Emilia zeitweise sehr actionreich und nicht immer ganz realistisch wirkt.Etwas gestört hat mich zudem stellenweise die etwas derbe Ausdrucksweise einer Kunstschatzjägerin, die für meinen Geschmack nicht notwendig gewesen wäre und dadurch etwas aus dem ansonsten stimmigen Gesamtbild herausfiel.Auch der christliche Gedanke bleibt eher dezent im Hintergrund. Zwar zeigen Figuren wie Charlie und Paul durch viele kleine Gesten Werte wie Respekt, Verständnis und Hilfsbereitschaft, doch hätte gerade in der dargestellten Zeit der Glaube noch etwas tiefer ausgearbeitet werden können.Das Cover sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, da es stilistisch stark an den Vorgänger erinnert. Und auch das Ende hält noch eine überraschende Wendung bereit, mit der ich zunächst etwas gehadert habe. Dennoch wird deutlich, welche Botschaft hinter der Geschichte steht: Zusammenhalt, Mut und selbstloses Handeln können selbst in dunklen Zeiten Hoffnung geben und Veränderungen bewirken.