Kalt draußen, warm im Herzen
Schneeengel von Esther Brand spielt in einer kalten, klaren Winterwelt, in der kleine Dinge plötzlich groß wirken: ein verlorener Handschuh, ein verschneiter Weg, ein zufälliges Treffen, das alles verändert. Die Hauptfigur ist jemand, der mit Vergangenheit und Zweifeln kämpft, und Brand lässt uns sehr nah an ihren Gedanken und Gefühlen dran sein ¿ nicht mit großen Dramen, sondern mit vielen kleinen, echten Momenten. Die Autorin beschreibt Alltagsszenen so, dass sie Bedeutung bekommen: Gespräche am Küchentisch, stille Beobachtungen im Park, die Art, wie Schnee Geräusche dämpft und Menschen vorsichtiger werden lässt. Es gibt eine leise Spannung, weil nach und nach Geheimnisse auftauchen und Entscheidungen anstehen, ohne dass die Geschichte je laut oder übertrieben wirkt. Stilistisch ist das Buch schlicht und warm, die Sprache trifft genau den Ton zwischen Melancholie und Hoffnung. Mir hat gefallen, wie die Figuren nicht perfekt sind ¿ sie stolpern, sagen falsche Dinge, finden aber auch wieder zueinander; das macht sie glaubwürdig. Wer eine ruhige, gefühlvolle Geschichte für kalte Abende sucht, bekommt hier eine schöne Mischung aus Winterstimmung, zwischenmenschlichen Feinheiten und einem Hauch von Geheimnis.