Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? Die Polizei beginnt zu ermitteln.
Eva Almstädt lässt in "Akte Nordsee - Die letzte Predigt", dem 4. Band ihrer Nordsee-Reihe, Journalist Niklas John und Anwältin Fentje Jacobsen erneut gemeinsam ermitteln. Der neue Fall hat mich, abgesehen von kleineren Abstrichen, gut unterhalten.
Mit einer Reihe von Ereignissen beginnt der Krimi eher gemächlich. Erst die Trennung von Fentje und Niklas, dann eine kranke Katze, später die Feier zur Silbernen Konfirmation in Estherwiek. Lena, eine der damaligen Konfirmandinnen, macht in Sankt Peter-Ording eine überraschende Beobachtung, die sie zu einem langen Gespräch mit Pastor Gerdes bewegt. Am folgenden Tag ist dieser tot und Lena verschwindet über Nacht, ohne ihr Fremdenzimmer zu bezahlen.
Der neue Fall bietet Einblicke ins Dorfleben mit Klatsch und Tratsch. Ehemalige Einwohner, Zugezogene und Auswärtige haben hier zuweilen keinen leichten Stand. Der Mord am beliebten Pastor wirft genauso Fragen auf wie der Auftritt und das Verschwinden von Lena, die in Estherwiek aufgewachsen ist. Die Ermittlungen der Polizei und auch Fentjes Recherchen lassen Ereignisse aus der Vergangenheit wieder wachwerden. Hängt der Tod des Pfarrers mit einem Unfall in einem Ferienlager vor über 20 Jahren zusammen oder hat der Mörder jüngere Motive? In der zweiten Hälfte gewinnt der Krimi deutlich an Tempo und Spannung.
Viele Personen, viele Namen. Nicht alle spielen tatsächlich eine Rolle für die Handlung. Eva Almstädt schreibt gewohnt bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Ihr Ermittlerpaar Niklas und Fentje funktioniert hervorragend, solange es nicht privat wird. Denn da haben die beiden ihre Probleme, die sie in diesem Band nicht angehen. Dagegen kommen sie dem Täter auf die Spur, lange vor der Polizei. Prompt gerät Fentje in Lebensgefahr.
"Akte Nordsee - Die letzte Predigt" lässt mich etwas zwiespältig zurück. Der Krimi ist gut zu lesen, in der zweiten Hälfte kommt auch Spannung auf, doch manches Motiv und die daraus resultierende Handlung hat mich nicht völlig überzeugt. Die Hauptcharaktere, vor allem Fentje, sind glaubwürdig. Wobei Niklas' "Gutmenschentum" mitunter etwas übertrieben wirkt und ihn wiederholt in Schwierigkeiten (schwerkranke Katze, Mordverdacht) bringt. Auch die Motive für die letzten Morde waren für mich nicht wirklich einleuchtend.
Letztendlich wird der Fall gelöst und die Umstände, die zu den Gewalttaten führten, aufgeklärt. Ich habe den Krimi gern gelesen und er hat mich gut unterhalten. Aber er ist nicht der stärkste der Reihe.