Eine Vergewaltigung. Ein junger Mann, der im Internat gefoltert wird. Ein Ehemann, der seine Frau foltert und dann erschlagen in seinem Bett gefunden wird. Sexuelle Eskapaden eines Ehepaares. Eine Kriminalgeschichte, die über Schleifen zu einem überraschenden Ende führt.Schirach versammelt in seinem Büchlein "Schuld" einige Geschichten, die ihm in seiner Anwaltskarriere untergekommen sind. Einige enden gut, andere tun das nicht. Das Recht hat immer seine eigene Logik und muss nicht immer den eigenen moralischen Vorstellungen entsprechen. Und es ist auch diese "neutrale" Perspektive, die Schirach versucht in den Geschichten einzunehmen. Und genau darin liegt für mich, auch das Problem. Statt Nähe und Verständnis, bleiben Motive und Anliegen der Protagonisten abstrakt, ja geradezu distanziert. Ich konnte mich wenig in Täter und Opfer reinversetzen, weil ihre Sichtweisen im Grunde gar nicht vorkommen. Und das fand ich insbesondere bei der Geschichte um die Vergewaltigung eines Mädchens schlimm. Denn Sie erhält in der Geschichte gar keine Stimme. Und das hat nicht nur einen bitteren Beigeschmack, sondern verharmlost - für mich - das Vorgefallene sogar. Kurzum: Ich komm an Schirach und seine Geschichten einfach nicht ran. Zu distanziert und dadurch abstrakt. So kann man mit den Protagonisten wenig anfangen.