Frisch verheiratet beginnt das Ehepaar Delius noch in der Hochzeitsnacht einen veritablen Krach, dessen Ursachen ebenso unbedeutend wie vermeidbar waren. In der Folge fassen Braut und Bräutigam jeder für sich den Entschluss, allein zu verreisen, um vorübergehenden Abstand vom Partner zu gewinnen. Doch das will ihnen nicht so recht gelingen. Derweil forcieren die daheimgebliebenen Verwandten der beiden Eheparteien den Konflikt auf juristischem Wege bis zum Äußersten und hintertreiben so die von den Ehepartnern selbst unternommenen Versöhnungsversuche.
Mit freundlichem Humor beschreibt Heinrich Spoerl wie leicht kleine menschliche Schwächen, ein wenig Trotz und Unnachgiebigkeit, sich nolens volens zu einem vermeintlich unüberbrückbaren Zerwürfnis auswachsen können und wie schwierig der Weg zurück ist. Ganz nebenbei gewährt der Autor seinen Lesern zudem pointierte Einblicke in den frühen Gruppen- und Pauschaltourismus der Vorkriegszeit und karikiert mit Sachverstand eine Zunft, welcher er als Jurist selbst angehört. Letzteres rückt Die Hochzeitsreise in eine Reihe mit Wenn wir alle Engel wären, Der Maulkorb und Der Gasmann aus der Feder Spoerls.