Da ist man zwar sehr auf Tabletten. Was alle Kollegen wissen, man ist ja Rettungssanitäter und auch die anderen sind vom Fach. Und ganz schön im Griff des Stoffes, aber was solls, noch geht's ja und der aktuelle Job ist bestens. Gut bezahlt und man hat seine Ruhe auf diesem Filmset eines neuen Blockbusters, der unter strenger Verschwiegenheit steht. Aber doch ganz interessant, das Raumschiff, welches eine der Hauptrollen im Film spielen wird, vor allen anderen zu kennen. Und nach einer kleinen, weißen Tabletten-Aufmunterung bieten sich die "Schlafkapseln" doch direkt an für ein kleines Nickerchen. Aus dem Joel allerdings nicht mehr wach werden wird. Wie auch dieser LKW-Fahrer nach seinem Flug durch die Windschutzscheibe keine schweren Gefährte mehr lenken wird. Tot ist eben tot. Und natürlich ist die Polizei höchst alarmiert, was da an Fentanyl gerade auf die Straße kommt und keine Überlebenschance in dieser Form den Konsumenten geben wird.Und das auf Island, eigentlich ja gut zu überblicken als Insel. Wobei der Chef der Kriminalisten noch ein ganz persönliches Interesse an der Aufklärung der Todesfälle hat. Und so gehen Dora und Rado "in Spur". Allerdings, und das macht schon viel vom Reiz dieses Thrillers aus, keine einfachen Charaktere sind es, die Jonasson wiederum in den Ring schickt. Was nicht nur für die beiden Ermittler gilt, sondern am Ende für jede der auftretenden Personen und seien es nur Randfiguren. Dora hat eine Gehirnoperation hinter sich. Und nicht nur, dass sie, zumindest meint sie das, Personen sieht, die eher nicht existieren, auch die Tabletten gegen die Schmerzen hatten Folgen. So trifft man Dora auch auf Treffen der anonymen Süchtigen.Während Rado seien Familiensituation nicht so in den Griff bekommt, wie er es gerne wollen würde. Vor allem um Jureks, seines Sohnes willen. Doch seine Ex-Frau sieht da vieles ganz anders. Wie auch der Tod seiner Mutter vor Kurzem eine Lücke innerlich gerissen hat, die Rado so vorher gar nicht vermutet hätte.Während beider Vorgesetzter, Ellidi, in seiner ebenfalls aktuellen Trauer am Ende zu harten Maßnahmen greifen wird, die noch eine Erschwerung am Ende auf die Ereignisse setzen werden. Während auf der "Gegenseite" aktuell auch alle Register gezogen werden, um den fetten Kuchen der Einnahmen aus dem Drogenhandel nicht mit zu vielen anderen teilen zu müssen. Was Zeljko auf den Plan ruft. Der tut, was er eben am besten kann. Klar, eindeutig, schnell und kompetent Menschen ermorden. Wenn der Lohn stimmt. Verschiedene Perspektiven ziehen sich also durch den Thriller, der aber ob der ruhigen, klaren und auf den Punkt mit beiläufigen Hintergründen zu den Personen und Aktionen zu keiner Zeit den Überblick verlieren lässt, während er Seite für Seite die Spannung anzieht, bis sich am Ende die Ereignisse überschlagen, die Grenzen von Gut und Böse verwischen und ein offenes Ende verbleiben wird, dass dennoch den konkreten Fall komplett gelöst hat, während die privaten Komplikationen zumindest, was Rado angeht, durchaus in die Zukunft, sprich auf einen nächsten Band, verweist. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.