Wie mit Russland umgehen, ist eine Frage, die Europa und den Westen schon seit Jahrhunderten umtreibt. Spätestens seit dem Sieg über
Napoleon gehört Russland faktisch zum Konzert der großen Mächte. Aber anders als die anderen Großmächte wurde es nicht als gleichberechtigter Partner mit ausverhandelbaren Interessen gesehen, sondern vielmehr als Outlaw, dem nicht zu trauen sei. Daraus entwickelte sich eine Russophobie, die auch die Identität Europas mitprägte. Jeffrey Sachs zeichnet in einem großen historischen Bogen diese Entwicklung nach, um schließlich auf die gescheiterte europäische Friedensordnung nach 1990 einzugehen. Dieser Streifzug macht viele Konstanten europäischer Russlandpolitik deutlich: ein moralisches Überlegenheitsgefühl, das Negieren legitimer russischer Interessen
oder die Exklusion Russlands aus europäischen Sicherheitsstrukturen. Aber er zeigt auch, wie gefährlich und selbstzerstörerisch ein solcher Weg für Europa war und ist. Es wird Zeit umzudenken!