Ein süßer, queerer Jugendroman, der zugleich ernste Themen behandelt
Das Buch macht schon vieles richtig. Angefangen mit der Darstellung der jugendliche Charaktere, was für viele offenbar ein Kritikpunkt ist. Das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es handelt sich nun mal um ein Jugendbuch, die Charaktere verhalten sich dementsprechend. Natürlich reagiert Morgan nicht in jeder Situation fair, aber sind ihre Handlungen trotzdem nachvollziehbar? Absolut. Sie ist das Sinnbild eines queeres Mädchens, das für sich selbst einstehen möchte, nach allem, was sie durchgemacht hat. Natürlich kann man nicht erwarten, dass jeder so offen damit umgeht wie sie, genauso wenig kann man es ihr verübeln, dass sie sich selbst nicht verstecken und sich stolz präsentieren will. Die Kommunikation der beiden hinkt an beiden Enden. Ruby verhält sich ebenfalls nicht immer richtig, trotzdem sehe ich nicht ansatzweise so viele negative Worte ihr gegenüber.Für mich repräsentieren die beiden zwei völlig normale Teenager, die halt einfach Fehler machen. Absolut nachvollziehbar. Wenn man das Buch im Erwachsenenalter liest, kann das einem kindisch vorkommen, dann ist dieses Genre aber einfach ungeeignet für einen.Mir gefallen die beiden Gegensätze, die die Protagonistinnen darstellen. Morgan, die mit ihrer Sexualität im Reinen ist, offen damit umgeht und gleichzeitig aber auch verdeutlicht, wie viele Hürden queerem Leben noch in den Weg gelegt werden. Sie ist mutig und gleichzeitig verletzt, gezeichnet. Nur weil sie sich nach außen so laut zeigt, bedeutet es nicht, dass die Ereignisse an ihrer alten Schule keine Spuren hinterlassen haben. Es ist verständlich, dass sie bei gewissen Dingen empfindlich reagiert. Und sie lernt daraus, sie ist durchaus in der Lage zu reflektieren. Ihre Arbeit als Beraterin war schlau gewählt, um ihr aufzuzeigen, wie ihre Situation anders gelöst werden kann. Dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern Kompromisse durchaus funktionieren können. Ruby ist das genaue Gegenteil. Sie hadert mit ihrer Sexualität. Für viele queere Teenager wahrscheinlich das Beispiel, das sie besser nachempfinden können. Ebenso der Einfluss ihres Elternhauses, der Druck abzuliefern, obwohl die eigenen Träume ganz woanders liegen. Etwas, worin sich viele wiedererkennen werden, egal ob queer oder nicht.Ihre Liebensgeschichte zu verfolgen, mit all ihren Ups and Downs, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Die kleinen Neckereien, leise Annäherungen, der jugendliche Herzschmerz, Versöhnungen. In dieser Zeit finden sie sowohl zueinander als auch zu sich selbst. Sie lernen voneinander und helfen einander. Abzüge gibt es für das Pacing. Einiges passiert sehr schnell, anderes bekommt nicht die nötige Aufmerksamkeit. So hätte ich mir gewünscht, dass mehr auf die Situation an Morgans alter Schule eingegangen wird. Ein viel zu verbreitetes, gravierendes Problem. Gerade an elitären Privatschulen ist die Situation für Minderheiten verheerend. Daraus hätte sich ein starker Nebenplot ergeben, so geht dieses wichtige Thema etwas unter. Auch manche Figuren verschwinden plötzlich von der Bildfläche. Einige Handlungsstränge verlaufen einfach ins Nichts, es hätte nicht viel gebraucht, um das einfach abzurunden. Es trübt das Leseerlebnis nicht signifikant, wirft bloß einfach ein paar Fragen auf.Im Großen und Ganzen trotzdem ein gelungenes Buch. Ein schöner, queerer Jugendroman, der durchaus zum Nachdenken anregt.