Liebesgeschichte in Ostberlin
Jenny Erpenbeck hat mit diesem Roman nicht nur eine toxische Liebesgeschichte sondern auch die Geschichte Ostberlins in einer faszinierenden, trockenen Sprache geschrieben, die sehr gut anfängt, aber sich etwas mühsam fortsetzt. Die Liebesbeziehung des Mädchens Katharina zum wesentlich älteren Hans, der noch dazu verheiratet ist, fängt recht interessant an, ermüdet aber bald. Die Eifersucht Hans, der sich auch nicht scheiden lassen will, nimmt ziemlich arge Züge an und er kann sie nicht loslassen. Warum sie bei ihm bleibt, obwohl er sie schlägt, ist für mich auch nicht nachvollziehbar. Als er dahinter kommt, dass sie ihn betrogen hat, quält er sich erst recht und kann ihr die Episode mit Vadim nicht verzeihen. In stundenlangen Kassetten erzählt er ihr seine Enttäuschung, die sie kaum ertragen kann. Irgendwann schafft sie es, sich von Ihm zu lösen, aber es fällt ihr schwer. Die Geschichte Berlins bis zum Fall der Mauer 1989 und darüber hinaus wird genau dargestellt und fasziniert mich sehr, vor allem die Auswirkungen auf die Bevölkerung. Die jungen Menschen, wie Katharina und ihre Freunde kommen damit besser zurecht, als die älteren, wie Hans, der seinen Posten verliert und sich in der neuen Welt nicht zu recht findet.Die Autorin packt in diesem Roman nicht nur die toxische Liebesgeschichte, sondern auch die historischen Fakten Berlins und auch ihr gesamtes Wissen über Musik und Literatur hinein, sodass ein stimmiges Gesamtbild an Zeitgeschichte entsteht. Ihre Sprache ist manchmal etwas derb, wobei sie auch etwas verwirrende, aber faszinierende Bilder entwirft, die ein plötzliches unerwartetes Ende findet und neue Fragen aufwirft