Ein Wohlfühlort
Im Herzen des Seouler Stadtteils Yeonnam-dong liegt ein kleiner Waschsalon, unscheinbar und doch voller Geschichten. Zwischen dem rhythmischen Surren der Maschinen und dem Duft frisch gewaschener Wäsche befindet sich ein grünes, gemeinsames Tagebuch. Jeder, der vorbeikommt, darf darin seine Sorgen, Ängste oder Erinnerungen hinterlassen - und erhält dafür Antworten von Fremden, die vielleicht nur für einen Augenblick im selben Raum verweilen.Durch dieses Tagebuch knüpft sich ein feines Band zwischen fünf Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder trägt eigene Lasten, eigene Wünsche im Herzen. Und doch finden sie über die anonymen Worte auf den Seiten zueinander.Kim Jiyun erzählt diese Begegnungen mit einer ruhigen, behutsamen Stimme, die ein Auge für jene kleinen Momente hat, die im Alltag leicht übersehen werden - und die doch mehr verändern, als man ahnt.Statt großer Dramen entfaltet sich ein sanftes, tröstliches Buch über Gemeinschaft, über Einsamkeit und die Möglichkeit eines stillen Neubeginns.Befremdlich wirkte auf mich allerdings der Umgang mit dem äußeren menschlichen Erscheinungsbild: dass Kinder Schönheitsoperationen geschenkt bekommen oder Erwachsene wegen eines kleinen Kratzers sofort zur Laserbehandlung greifen, bleibt mir fremd und schwer nachvollziehbar.Trotzdem: ein ruhiger, berührender Wohlfühlroman, der lange nachklingt.