Ein Debüt, das sich nicht wie eines anfühlt
Bestie hat mich vor allem durch seinen poetischen Stil und den besonderen Lesefluss überzeugt. Die Sprache ist eindringlich, teilweise fast lyrisch, und genau das hat dafür gesorgt, dass ich sehr schnell durch das Buch gekommen bin. Zu keiner Zeit fühlte es sich wie ein Debütroman an ¿ im Gegenteil: Der Text wirkte reif, sicher und sehr bewusst in seiner Wirkung.Inhaltlich dreht sich die Geschichte um zwei Protagonistinnen und eine intensive, teils verstörende Beziehung, in der Themen wie Nähe, Macht, Abhängigkeit und Selbstfindung eine zentrale Rolle spielen. Die Handlung entfaltet sich eher leise als spektakulär, lebt von Stimmungen, Gedanken und zwischenmenschlichen Spannungen ¿ was das Buch für mich besonders gemacht hat.Ich hatte zudem das Glück, auf einer Lesung der Autorin zu sein. Joana Junes Herzlichkeit hat mich dabei besonders beeindruckt: Sie war sehr nahbar, offen und sympathisch, und genau diese Wärme spiegelt sich für mich auch in ihrer Sprache und in der Art wider, wie sie ihre Geschichte erzählt.Was ich mir gewünscht hätte, wären mehr Hintergrundinformationen zu den Protagonistinnen. An manchen Stellen blieben sie mir etwas zu verschlossen, sodass ich mir eine stärkere Ausarbeitung ihrer Vergangenheit und Motivationen erhofft hätte. Auch das Ende hat mich ein wenig zurückgelassen ¿ es war stimmig, aber emotional nicht ganz so abschließend, wie ich es mir gewünscht hätte.Alles in allem ist Bestie für mich jedoch ein tolles Buch mit einem eher ungewöhnlichen Thema, das sich von vielem abhebt und noch lange nachwirkt. Ein starkes Debüt, das neugierig auf mehr macht. ¿¿