Im dritten Band der Summers-Schwestern von Sea View steht erstmals die verstoßene älteste Schwester Claire im Mittelpunkt. Nach einem folgenschweren Fehltritt findet sie zunächst Zuflucht bei ihrer Tante in Edinburgh. Als diese unerwartet stirbt, bleibt Claire mittellos zurück und fasst den mutigen Entschluss, in die Nähe ihrer Familie nach Sidmouth zurückzukehren. Dort bewirbt sie sich als Teilhaberin eines Gästehauses in der Hoffnung auf einen Neuanfang und vorsichtige Versöhnung.
Während ihre jüngeren Schwestern längst versuchen, wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen, bleibt die Mutter hart, gebunden an den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes. Claire setzt dennoch alles daran zu beweisen, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat. Doch die feine Gesellschaft zeigt sich unerbittlich gegenüber Fehltritten, und Claires Weg ist geprägt von Geduld, harter Arbeit und stiller Reue.
Behutsam und ohne zu beschönigen erzählt die Autorin von Schuld, Verantwortung und der Kraft der Vergebung. Der Glaube fließt dezent, aber spürbar in die Geschichte ein und zeigt, wie Gottes Barmherzigkeit und Güte im Kontrast zu gesellschaftlicher Härte stehen. Besonders berührend sind die Begegnungen mit dem verwitweten Mr. Hammond und seiner zuckersüßen Tochter Mira, durch die Themen wie Vorurteile, Mitgefühl und echte Freundschaft aufgegriffen werden.
Auch wenn die Handlung ruhig verläuft und große Dramatik ausbleibt, überzeugt die Geschichte durch emotionale Tiefe, humorvolle Szenen und viele kleine, unerwartete Momente. Die liebevoll gezeichneten Charaktere, lebendige Ortsbeschreibungen und leisen Geheimnisse machen diesen Band zu einer stimmigen, gefühlvollen Erzählung über zweite Chancen. Ein sanfter, hoffnungsvoller Roman, der zeigt, wie wichtig es ist, Fehler einzugestehen und anderen wie sich selbst Vergebung zuzutrauen.