Düstere Fantasy über Macht, Gefangenschaft und verbotene Nähe ¿ intensiv, brutal und bewusst ambivalent.
Mit Rose in Chains legt Julie Soto den Auftakt einer Dark-Fantasy-Reihe vor, die politische Gewalt, strukturelle Unterdrückung und romantische Ambivalenz eng miteinander verschränkt. Die Handlung setzt nach dem Zusammenbruch eines fragilen Friedens zwischen den Reichen Evermore und Bomard ein. Der Sieg Bomards markiert nicht nur einen Machtwechsel, sondern etabliert ein System, in dem Frauen aus Evermore entmachtet, ihrer Magie beraubt und öffentlich versteigert werden. In diesem Kontext wird Briony Rosewood, letzte Prinzessin ihres Hauses, zur zentralen Figur eines Romans, der Herrschaft vor allem als Zugriff auf Körper und Identität begreift.Briony ist keine passive Gefangene, sondern eine Protagonistin, deren Widerstand sich weniger in offener Rebellion als in innerer Standhaftigkeit äußert. Ihre Figur wird bewusst zwischen Verletzlichkeit und Handlungsmacht positioniert. Demgegenüber steht Toven Hearst, Angehöriger der siegreichen Elite und Brionys erklärter Feind aus gemeinsamen Internatszeiten. Soto zeichnet ihn konsequent ambivalent: Schutz und Bedrohung, Kontrolle und Zurückhaltung sind unauflöslich miteinander verknüpft. Die Beziehung der beiden folgt einem radikalen Slow-Burn-Modell, das die romantische Entwicklung der politischen Konstellation unterordnet. Liebe erscheint hier nicht als Erlösung, sondern als zusätzliche Spannung innerhalb eines asymmetrischen Machtgefüges.Strukturell arbeitet der Roman mit zwei Zeitebenen. Rückblenden in die Zeit vor dem Krieg kontextualisieren die Gegenwart und verdeutlichen, wie Ideologien, Loyalitäten und persönliche Beziehungen deformiert wurden. Das Magiesystem, das zwischen Herz- und Gedankenmagie unterscheidet, fungiert dabei nicht nur als fantastisches Element, sondern als metaphorische Verlängerung emotionaler und politischer Kontrolle.Stilistisch ist Rose in Chains klar und direkt, stellenweise schonungslos. Die Brutalität der dargestellten Welt ist kein Selbstzweck, sondern verweist auf Themen wie Ausbeutung, Entmenschlichung und die Instrumentalisierung von Macht. Gleichzeitig lässt der Roman bewusst Leerstellen, insbesondere in der emotionalen Ausgestaltung der zentralen Beziehung, was weniger als Schwäche denn als programmatische Entscheidung gelesen werden kann.Insgesamt überzeugt Rose in Chains als düsterer, thematisch gewichtiger Reihenauftakt, der Romantik nicht romantisiert, sondern als konflikthaften Bestandteil einer gewaltförmigen Ordnung verhandelt.