Und wieder wird mir klar: Bleiben ist nicht unbedingt leichter als Gehen.
Du musst nicht immer funktionieren.Du musst nicht immer stark sein.Du darfst Fehler machen.Nimm dein Leben und leb es.
Aber was bleibt, wenn ich nicht funktioniere? Wer bin ich dann?
Vielleicht wird Kontrolle auch überbewertet.
**** Mein Eindruck ****
Ellas Geschichte hat mich tief berührt. Ihre Beziehung zu ihrem Vater, das Miteinander mit ihren Schwestern und dieses allgegenwärtige Gefühl von Verantwortung und Funktionieren all das ging mir unglaublich nah. Immer wieder hatte ich Tränen in den Augen, weil die Emotionen so greifbar und ehrlich erzählt sind. Hier wird nichts versteckt oder beschönigt, sondern direkt ins Herz geschrieben.
Die Worte brauchen keine große Interpretation, sie wirken für sich. Schmerzhaft, warm und gleichzeitig voller leiser Hoffnung. Ella ist eine Figur, die bleibt. Eine, in der man sich selbst wiederfinden kann in ihren Zweifeln, ihrem Durchhalten, ihrem Wunsch, einfach mal loszulassen.
Auch die Dynamik innerhalb der Familie ist besonders gelungen. Die Schwesternbeziehung fühlt sich echt an, mit all ihren Spannungen, unausgesprochenen Gefühlen und Momenten der Nähe. Genau das macht diese Geschichte so authentisch und so bewegend.
Die Inselatmosphäre legt sich dabei wie ein sanfter Schleier über alles. Sie nimmt der Schwere nicht die Bedeutung, aber sie schafft Raum zum Atmen, zum Ankommen und zum Fühlen. Und mittendrin entwickelt sich Ellas ganz persönlicher Weg nicht perfekt, nicht geradlinig, aber genau deshalb so glaubwürdig.
Dieses Buch ist leise und gleichzeitig so unglaublich laut in seinen Emotionen. Es zeigt, wie schwer Versöhnung sein kann mit sich selbst, mit der Vergangenheit und mit dem eigenen Leben.
**** Empfehlung? ****
Für alle, die emotionale Familiengeschichten lieben, die unter die Haut gehen und lange nachhallen. Wer sich nach echten Gefühlen, leiser Stärke und einer Geschichte sehnt, die gleichzeitig schmerzt und heilt, wird hier etwas ganz Besonderes finden.