Hanna war immer die Jüngste. Die, die vermittelt. Die zuhört. Die es allen recht macht - nur sich selbst nicht.
Doch als sie erfährt, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater war, funktioniert dieses Modell plötzlich nicht mehr. Der Brief, den ihr verstorbener Vater ihr hinterlassen hat, enthält einen Hinweis. Und zum ersten Mal in ihrem Leben beschließt Hanna, nicht zu erklären, nicht zu glätten, nicht zu warten. Sondern loszugehen.
Die Spur führt nach Hamburg. In eine Stadt, die laut ist, fordernd - und erstaunlich wenig Rücksicht auf innere Sortierungsprozesse nimmt. Dort trifft Hanna zufällig auf Mats: chaotisch, direkt, mit einem Talent dafür, genau die Dinge anzusprechen, die man lieber unter den Tisch fallen lassen würde.
Dabei hat Hanna eigentlich schon etwas. Einen Professor. Unverbindlich. Erwachsen. Sauber getrennt vom Rest des Lebens. Eine Beziehung, die genau so lange gut funktioniert, wie man keine allzu großen Fragen stellt - weder an den anderen noch an sich selbst.
Je näher Hanna der Geschichte ihrer Eltern kommt und dem Mann, in dessen Gesicht sie sich selbst erkennt, desto klarer wird: Vermitteln ist auch eine Art, sich zu verstecken. Und Harmonie kein Ersatz für Wahrheit.
Ein warmherziger Roman über Herkunft, Familie und den Mut, endlich den eigenen Platz einzunehmen - mitten zwischen den Gezeiten.