Dem Meer entgegen von Lidija Hilje hatte mich optisch direkt angesprochen und wirkte dadurch und durch den Klappentext als genau das richtige Sommerbuch.
Wir sind in Kroatien und haben hier Ivona, die in ihren späten Dreißigern ist und nach ihrem Biologiestudium Jahre später in einem Schreibwarenladen arbeitet. Ihre Ehe ist knapp 10 Jahre her, trotzdem flauen ihre Gefühle für ihren Ex-Mann nicht ab, da sich ihre Wege immer wieder kreuzen.
Ivona wirkt wie eine Frau, die alles von anderen abhängig macht und zu viele Selbstzweifel und Ängste hat, um wirklich ihre Träume zu leben und zu verfolgen. Während ihrer Ehe macht sie alles von ihrem Mann und der Beziehung abhängig, verfolgt ihre Karriere nicht richtig und hat Verlustängste.
Sie wirkt geradezu obsessiv, sie denkt seit der Trennung nur an den Ex-Mann Vlaho.
Insgesamt bekommt sie in ihrem Leben ständig Steine in den Weg gelegt und verliert etwas die Lebensfreude. In diesen Kapiteln fühlt man auch wirklich mit ihr mit.
Im Laufe des Buches erfährt man die Geheimnisse in der Familie, ihre ganzen Gedanken und Gefühle im Hinblick auf den Kinderwunsch, die Trauer um den Tod ihrer Mutter, die Schwierigkeiten einen Job zu finden und dabei auch seinen eigen Träumen irgendwo gerecht zu werden.
Es gibt Zeitsprünge zwischen der Gegenwart und bestimmten Punkten in der Vergangenheit, wie zum Beispiel in der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit, dem Kennenlernen mit Vlaho, oder dem ersten Treffen mit seinen Eltern. Das Buch ist zudem in mehrere Teile aufgeteilt, beispielsweise Teil 2 Marina, wo es dann etwas fokussierter darum geht wie sie ihre beste Freundin kennen gelernt hat.
Das Tempo ist eher langsam und nimmt nur zwischendurch in einzelnen Szenen etwas an Fahrt auf.
Was mir gut gefallen hat, waren die Hintergrundinfos über Kroatien, wie es um das Land steht, wie sich der Jobmarkt verändert hat. Da versteht man Ivonas Schwierigkeiten einen Job zu finden umso mehr.
Das Ende war für mich wirklich enttäuschend und frustrierend, da das im Klappentext angesprochene tatsächlich erst am Ende thematisiert wird und nicht im Laufe des Buches. Dabei wirkte es auch überhaupt nicht wie eine eigene Entscheidung sondern wieder nur abhängig von anderen.
Der Klappentext ist meiner Meinung nach falsch. Sie hat aus Gründen immer wieder Kontakt zu ihrem Mann und auch diese unglaubliche Chance wird in den letzten wenigen Kapiteln erst richtig Thema, also handelt das Buch nicht darüber, dass sie ein ganzes Buch lang mit sich ringt ob sie diese Chance ergreift oder nicht. Durch den Klappentext bekommt man einfach andere Erwartungen an die Geschichte und wird zwangsläufig enttäuscht.