Leicht gesellschaftskritischer Thriller mit verschenktem Potenzial - konnte durch die vielen Perspektivenwechsel nicht überzeugen.
INHALTDas abgelegene und digital abgeschottete Hotel Guilty Pleasure verspricht seinen wohlhabenden Gästen absoluten Luxus und jeglichen Freiraum, um ihren Vorlieben zu fröhnen. Zoe möchte dort allerdings nur eins: Ihrem gewaltätigen Ehemann entfliehen - allerdings tauscht sie damit nur ein Monster gegen ein anderes ...MEINUNGDer Klappentext hat in mir die Aussicht auf menschliche Abgründe und Verderbtheit bei absoluter Abgeschiedenheit geweckt. Allerdings ist der Text hier eher irreführend ... So wird dem Hotel, seinen Gästen und ihren "Vorlieben" nicht allzuviel Zeit gewidmet. Vielmehr verfolgt man aus der Sicht von mehreren Pro- und Antagonisten das Hauptgeschehen, wobei kurze Zeitsprünge in der Erzählung bei mir immer wieder für Verwirrung sorgten. Auch der Hintergrund, weshalb eine Sicht aus der Ich-Perspektive und die anderen in der dritten Person erzählen, hat sich mir nicht erschlossen. Die Charaktere weckten in mir auch absolut keine Sympathien. Ich hatte ständig das Gefühl, dass eigentlich alle irgendwie Dreck am Stecken haben und viele ihrer Handlungen und Entscheidungen nicht nachvollziehbar waren.***ACHTUNG MINI-SPOILER***Zusätzlich fand ich es verstörend und sehr einseitig, dass sich die beschriebenen "Guilty Pleasures" scheinbar ausschließlich um sexuelle Neigungen und den Missbrauch von Frauen und Unmündigen gedreht hat.***MINISPOILER ENDE***Somit verschenkt die Autorin meines Erachtens einiges an Potenzial, das das Setting des tabulosen Luxushotels geboten hätte. Auch die finale Auflösung schien dann doch sehr konstruiert.FAZITDie versteckte Kritik an der Abgestumpftheit unserer Gesellschaft und auch ein Großteil der Spannung von "Guilty Pleasure" versickert in den vielen Perspektiven der Erzählenden. Leider viele verschenkte Möglichkeiten.