"Wir lebten kleine, unbedeutende Leben. Aber wir wussten, dass wir mit unserer Musik die Chance auf etwas Größeres hatten." (S.156)"Nirvana haben mal gesagt, sie hätten nie dazugehören wollen, weil ihre Musik an den Rändern stattfindet, da, wo sich die Außenseiter aufhalten. Auch wir sind Künstler vom Rand." (S.83)"Vor einem Jahr waren The Bastards noch vier. Vier Vierzehnjährige. Vier im Viervierteltakt. Wir wussten genau, wie wir für immer aus Vincent rauskommen würden, und unser Traum war ein endloser Song. Dann trat Lily Lucid aus der Band aus, und wir wurden drei Takte und eine Pause." (S.10)So beginnt es..."In Bloom" von Liz Allan ist ein Roman, wie ich ihn noch nie zuvor gelesen habe, und der vollkommen heraussticht. Ganz voran steht die Erzählweise und Erzählperspektive. Denn wir begleiten drei 15-jährige Mädchen in den 90er-Jahren in einer Kleinstadt in Australien, die zu einem Kollektiv zusammengewachsen sind. Bis auf die letzten 17 Seiten ist der komplette Roman aus der Wir-Perspektive der Mädchen geschrieben, die Handlung ist eher bruchstückhaft und wir kriegen immer nur kleine Handlungs-Happen vorgeworfen. In kurzen Kapiteln springen wir in der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her und ein Großteil der Rückblick-Kapitel beginnen identisch mit dem Satz "Vor zwei Jahren, als wir noch mit Lily befreundet waren..." Denn die Vierer-Clique ist auseinandergebrochen, bleiben die drei Mädchen, deren soziale Identitäten miteinander verschmolzen sind, die sich nur als Gruppe wahrnehmen, deren Familiengeschichte Parallelen besitzt und die den gemeinsamen Traum verfolgen, mit ihrer Band ¿The Bastards' berühmt werden, um aus der verhassten Kleinstadt und ihrem verhassten Zuhause rauszukommen; dafür müssen sie aber den bevorstehenden Band-Wettbewerb gewinnen. Doch seit ihr Musiklehrer Mister P unter dem Verdacht steht, ihre ehemalige Freundin Lily sexuell belästigt zu haben, und suspendiert worden ist, können sie weder die Kosten noch die weite Fahrt zum Wettbewerb bewältigen. Verzweifelt versuchen sie alles, die Unschuld ihres Musiklehrers zu beweisen, um doch noch ihren Traum verwirklichen zu können, und verstricken sich dabei immer mehr in ihre Schicksale....Die Erzählweise des Romans war für mich anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, doch dann wurde ich doch recht schnell hineingezogen und fand ich das Ganze so spannend, dass ich nur so durch das Buch hindurchgerauscht bin. Liz Allan präsentiert uns hier nichts auf dem Silbertablett, sondern man muss zwischen den Zeilen lesen, was hier aber hervorragend funktioniert, wie ich finde. Durch die Wir-Perspektive kamen mir die einzelnen Mädchen nicht so nah, was für mich als Charakter-basierter-Leser immer sehr wichtig ist, aber bei dieser Art von Geschichte fiel das für mich nicht so stark ins Gewicht.Die Themen, die hier angesprochen werden, gehen tief; neben dem Missbrauch-Thema geht es um viele essentielle Themen von Heranwachsenden, das häusliche Umfeld, und schlichtweg um das Grundbedürfnis, gesehen und geliebt zu werden. Dies war für mich ein Buch, bei dem ich auf den letzten Seiten ganz schön schlucken musste und das einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.Der Roman ist speziell und experimentell und wird sicherlich auch nicht jedem zusagen - aber es lohnt sich auf jeden Fall, sich darauf einzulassen - mir wird die Geschichte im Gedächtnis bleiben!