Die Welt befindet sich in einem fundamentalen geostrategischen Umbruch. Sie sorti sich politisch, wirtschaftlich und militärisch völlig neu. Die Bipolarität, die sich nach 1917 herausbildete, endete mit dem Untergang der Sowjetunion. Nunmehr kämpfen die USA - unterstützt von ihren Verbündeten - um die globale Hegemonie. Die Mehrheit der Staaten widersetzt sich jedoch diesem imperialen Machtanspruch: Sie will eine multipolare Welt.
Der Krieg in der Ukraine ist das erste große, blutige Schlachtfeld in diesem machtpolitischen Grundkonflikt, sagt der Militärhistoriker Lothar Schröter. Es gehe dort nicht um die Verteidigung von Freiheit und Demokratie, sondern um die Ausschaltung Russland als weltpolitischer Faktor. »Das Engagement des Westens, als Solidarität mit einem überfallenen Staat camoufliert, ist nur der propagandistische Nebelvorhang«, meint er.
Schröters Analyse, Resultat jahrzehntelanger Untersuchungen, reicht nicht nur über die hierzulande üblichen Beschreibungen des Ukrainekrieges hinaus. Sie nimmt größere Zeiträume und globale Zusammenhänge in den Blick und macht damit deutlich, womit wir es tatsächlich zu tun haben. Und das nicht erst seit Februar 2022.