Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Autorin spielt mit Erwartungen und kann zwischenmenschliche Beziehungen so gut beschreiben.
Eine viertägige Wandertour in Norwegen und dabei den Berg Blafjell erklimmen. Das haben sich die vier Freundinnen Liz, Joni, Helena und Maggie als diesjährigen gemeinsamen Urlaub ausgesucht. Na ja, eigentlich war es Liz, die das Reiseziel aussuchen durfte und zur Abwechslung ein Abenteuer suchte, anstatt wieder einen Urlaub am Strand zu verbringen. Gemeinsam beginnen sie die Reise, aber nicht alle vier kommen nach Hause zurück. Denn vor genau einem Jahr ist eine Frau in den Bergen verloren gegangen und jemand weiß, was passiert ist und will auch, dass es ein Geheimnis bleibt. Die Autorin weiß, wie man mit Erwartungen spielt. Dies ist das zweite Buch von Lucy Clarke, was ich gelesen habe. "One oft the Girls" hat mir ja auch super gefallen und war ein Highlight. Und auch da wusste ich schon, dass etwas Schlimmes passieren wird und mein Kopf hat die ganze Zeit rotiert und spekuliert, auf was das hinauslaufen wird. In diesem Buch ging es mir genauso. Erneut fand ich es gut, dass in den ersten Kapiteln die vier Protagonistinnen vorgestellt wurden. Man bekommt nämlich im Buch alle vier Perspektiven und das war schon sehr spannend, weil die vier Frauen doch sehr unterschiedlich sind. Zusätzlich bekam man noch einen Rückblick, wo in mehreren Abschnitten geklärt wurde, wie damals Karin verschwunden war.Liz, die ein durchorganisiertes Leben hat - Ehemann, mit dem sie schon seit immer zusammen ist, zwei Kinder und arbeitet erfolgreich als Ärztin. Alles wäre gut, aber irgendwie kriselt es in ihrer sonst so stabilen Ehe.Joni, die ein sehr freies Leben als gefeierte Rocksängerin lebt, von einem Ort zum nächsten tingelt und von allen geliebt wird. Doch sie ist mit ihrem Leben sehr unzufrieden, da sie sich u. a. wegen den Drogen selbst verliert.Helena, eine erfolgreiche Karrierefrau, die nie Kinder wollte und jetzt plötzlich merkt, das etwas in ihrem lebt.Maggie, geschieden und eine Tochter, die über alles liebt und nicht aus der Hand geben möchte und dabei hin und wieder vergisst, dass sie auch ein Leben außerhalb ihres Mutterdaseins hat. Man merkt, dass die vier Freundinnen sich schon lange kennen (seit der Schule) und sich sehr mögen, dass sie viel miteinander erlebt haben, aber es auch immer wieder Reibereien untereinander gibt. Es brodelt immer wieder und während einer Reise, bei der man ständig aufeinander hockt, platzen dann eben auch mal die Emotionen und auch die Geheimnisse heraus, besonders als die Reise sich langsam in einen Horrortrip wandelt. Ich fand das Buch wieder unglaublich spannend. Die Autorin hat es einfach drauf, die Spannung immer weiter zu steigern und ihre Figuren so gut zu zeichnen. Die Frauen fand ich unterschiedlich sympathisch und dennoch habe ich aus jeder Sicht gern gelesen, weil ich die unterschiedlichen Perspektiven so spannend fand. Zudem fand ich ihre Entscheidungen aus der entsprechenden Sicht auch nachvollziehbar, wenn auch nicht immer besonders schlau.Ich habe mich zwar auch gefragt, wie man die vier Frauen überhaupt auf den Pfad schicken konnte. Anscheinend ist die Tour relativ anspruchsvoll und wenn diese keinerlei Erfahrungen im Wandern haben, finde ich es doch recht verantwortungsvoll, diese gehen zu lassen. Na ja und Liz wollte unbedingt diese Tour und hat alle Warnungen in den Wind geschlagen. Das war schon sehr mies gegenüber ihren Freundinnen. Die Auflösung vom Verschwinden dieser Karin empfand ich nicht als das Highlight in dem Buch, sondern die Dynamik zwischen den Frauen. Die Autorin kann richtig gut Frauenfreundschaften beschreiben. Ich weiß nicht, ob dass das Steckenpferd von Lucy Clarke ist und sich all ihre Bücher um das Thema drehen, aber ich finde es gut. Nur war es von mir recht gut, dass ich relativ lange gewartet habe, bis ich wieder zu einem Buch von ihr gegriffen hätte. Denn kurz nach dem anderen Buch hätte es mir vielleicht wegen den Ähnlichkeiten nicht gleich danach gegriffen. Tatsächlich habe ich aber gewartet, weil mich das Thema Wandern nicht sonderlich anspricht. Aber es war hier so gut verpackt, dass es mich nicht gestört hat, sondern es zur Spannung beigetragen hat. Fazit:Ich habe an den Seiten geklebt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Autorin hat die Spannung ständig gesteigert und durch meine Erwartung, dass irgendetwas Schreckliches jeden Moment passieren muss, trug auch zu dieser Spannung bei. Diese Beziehungen unter Figuren kann sie so gut und authentisch beschreiben. Es hat mich wieder komplett begeistert, obwohl ich das Thema Wandern nicht allzu interessant finde. 5 Sterne.