"Circe" von Madeline Miller ist noch ein Überbleibsel von meinem London Book Shopping Trip im letzten Jahr. Ich habe mir das Buch damals in London gekauft und jetzt endlich beendet - wobei "endlich" hier tatsächlich ziemlich gut passt.Circe ist die Tochter des Sonnengottes Helios, passt jedoch von Anfang an nicht wirklich in die Welt der Götter. Sie wird von ihrer Familie verspottet und ausgegrenzt, bis sie entdeckt, dass in ihr eine ganz eigene Macht steckt: Hexerei. Schließlich wird sie auf die Insel Aiaia verbannt, wo sie ihre magischen Fähigkeiten immer weiterentwickelt und im Laufe ihres Lebens auf zahlreiche bekannte Figuren der griechischen Mythologie trifft, darunter Hermes, Daedalus und natürlich Odysseus. Madeline Miller erzählt Circes Geschichte dabei aus einer feministischen Perspektive und macht aus einer Figur, die in den alten Mythen häufig über andere definiert wird, eine unglaublich vielschichtige Protagonistin mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Gerade Circe selbst hat mir wahnsinnig gut gefallen. Ich mochte ihre Entwicklung, ihre Art und die Darstellung dieser Frau, die sich ihren Platz zwischen Göttern und Menschen erst selbst schaffen muss.Mein Problem mit dem Buch hatte deshalb eigentlich erstaunlich wenig mit dem Buch selbst zu tun: Ich bin gerade einfach komplett Fantasy-müde. Und leider fällt für meinen Kopf aktuell auch griechische Mythologie unter Fantasy. Dadurch bin ich beim Lesen ständig zwischen zwei Gefühlen hin und her geschwankt: "Oh, ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht!" und "Ich habe gerade einfach überhaupt keinen Bock auf Fantasy."Das hat dafür gesorgt, dass ich deutlich länger für das Buch gebraucht habe, als es eigentlich verdient hätte. Denn die Geschichte ist gut, Circe ist eine großartige Protagonistin und die feministische Neuerzählung der bekannten Mythologie hat mir wirklich gefallen. Ich glaube nur, dass ich dieses Buch zu einem anderen Zeitpunkt wesentlich mehr hätte genießen können.