So gut geschrieben, dass man befürchtet, es könnte Realität werden.
DIE moderne Dystopie unserer Zeit, würdig um in die Fußstapfen von "1984" von George Orwell oder "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley zu treten. Der Text gefällt mir wesentlich besser als die Serienverfilmung, die ich abgebrochen habe. Eine extra Gänsehaut haben die der Erzählung angefügten "Historischen Anmerkungen" aus dem Jahr 2195 ausgelöst. Hier wird aus einer fernen Zukunft auf die Gilead-Episode zurück geblickt und "Der Report der Magd" als historisches Dokument ausgewertet. Der Umgang mit den schrecklichen Ereignissen, von denen die Magd berichtete, lässt schaudern und die Überwindung der Gileadherrschaft in ferner Zukunft nicht unbedingt in einem guten Licht erstrahlen, wenn die möglichen Kommandanten, die als Herr der Magd in Frage kommen könnten, als geniale Vordenker präsentiert und die geschilderten Erfahrungen der Frauen lächerlich gemacht werden.Margaret Atwood zeigt sich mit "Report der Magd" auf der Höhe ihres schriftstellerischen Könnens: so gut durchdacht, so treffend gefühlvoll erzählt, so sinnlich und schrecklich und so überzeugend, dass es unheimlich ist.