Ein wichtiges, autobiografisch geprägtes Buch über Adoption, Migration und Identitätssuche. Besonders stark im zweiten Teil.
¿Die Kinder von Bilbao¿ ist der Debütroman der französisch-spanischen Regisseurin und Drehbuchautorin Maria Larrea, erschienen bei Kein und Aber in der Übersetzung von Corinna Rodewald. Auf 208 Seiten erzählt Larrea eine autofiktionale Geschichte über Adoption, Herkunft und das schmerzhafte Ringen um Wahrheit. Ausgangspunkt ist der Moment, in dem die Erzählerin mit Ende zwanzig erfährt, dass sie adoptiert ist und damit beginnt, ihr eigenes Leben neu zu lesen.Meine MeinungDie Hauptthemen (Identität, Migration, familiäre Geheimnisse, das Schweigen früherer Generationen ) haben mich hat sofort abgeholt. Larrea schreibt schonungslos über Gewalt, Armut, Klassenscham und emotionale Verwundungen. Manche (schmerzliche) Bilder wie dieses hier über über Mutter-/Elternschaft sind mir direkt hängen geblieben: ¿Dieses Lächeln, das erste von einem Kind zu seiner Mutter, sollte ihr Leben lang unerwidert bleiben.¿ (S. 22)Gleichzeitig hatte ich mit der Erzählweise im ersten Teil meine Schwierigkeiten. Ich bin einfach nicht so in die Geschichte und den Schreibstil reingekommen, wie ich es mir gewünscht hätte. Was sich dann aber zum Glück in zweiten Teil geändert hat, als das Buch merklich an Spannung zugenommen hat. Die Passagen, in denen Sprache, Herkunft und soziale Zuschreibungen thematisiert werden fand ich besonders spannend.Sehr berührt hat mich auch der Gedanke, sich die eigene Geschichte schreibend zurückzuerobern. Hier merkt man auch den persönlichen Bezug, den die Autorin zur Geschichte hat: ¿Ich trug digitale Fragmente eines Lebens zusammen und verwandelte sie in Material der Hoffnung.¿ (S. 135)Fazit¿Die Kinder von Bilbao¿ ist ein wichtiges, mutiges Buch über Identität und Herkunft, das weh tut und Fragen offenlässt. Nicht alles ist erzählerisch rund, aber es ist ehrlich und emotional bewegend. Empfehlenswert für alle, die sich für autofiktionale Literatur, Migrationserfahrungen und Identitätssuche interessieren; weniger für Leser:innen, die stringentes Erzählen ohne Brüche erwarten.Vielen Dank an @keinundaber und @netgalleyde für das Rezensionsexemplar.