Was für eine Leistung einer 18-Jährigen - absolut Lesenswert!
Frankenstein ist wohl eine der verkanntesten Geschichten unserer Zeit und deshalb freue ich mich, dass ich sie endlich selbst gelesen habe und besser verstehe, was der Sinn ist. Mary Shelly hat eine Geschichte über Menschlichkeit, über Nature vs. Nurture und über Gottkomplexe geschrieben, wie sie für eine 18-Jährige absolut beeindruckend ist. Der Erzählstil ist dabei besonders interessant und erinnert an Sturmhöhe, im Prinzip ist es eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte und wir hören die Erzählungen aus teilweise bis zu dritter Hand. Gleichzeitig ist die äußerste Erzähllinie super fein mit der Geschichte Frankensteins verbunden. Die Natur nimmt in der Erzählweise einen besonderen Platz ein, ist quasi selbst mit Charakter der die inneren Zustände der Figuren spiegelt - sei es Frankensteins Aufstieg in das ewige Eis oder die glücklichen Tage des Monsters im Frühling. Das ist meisterhaft gemacht und erschließt sich erst beim zweiten Hinschauen. Die Figuren sind ebenfalls extrem vielschichtig und vor allem teilweise extrem schlecht. Wer denkt, dass Monster ist hier der Böse hat noch nicht das Gesabbel von Frankenstein selbst gehört. Er ist ein selbstbezogener Träumer im Gewand eines Wissenschaftlers, er sucht aktiv Ausflüchte, um sein Handeln zu rechtfertigen und versucht, die Leser auf seine Seite zu ziehen. Stattdessen wird er aber im Verlaufe des Buches einfach nur weinerlicher, und damit schafft Shelly es, gepaart mit den Erzählungen des Monsters selbst, dass wir ihm eher vergeben, auch wenn er wirkliche Verbrechen vollbracht hat. Die Dialoge zwischen dem Monster und seinem Schöpfer sind so geladen von Gefühlen, das ist wirklich intensiv zu lesen. Mary Shelly hält mir ihrer Botschaft nicht hinter dem Berg - Sie will uns darauf stoßen, dass wir mit beeinflussen wie Menschen werden, sie will uns einen Spiegel vorhalten und unser eigenes Verhalten reflektieren. Deshalb ist die Perspektive des Monsters so genial - es löst die Message von der schrecklichen Figur Frankensteins und macht sie universal gültig. Gleichzeitig schafft es auch ein bisschen mehr Liebe für das Menschsein an sich. Die Momente, in denen das Monster lernt, wie es die Welt sieht sind zart und verleiten dazu, das Leben selbst etwas schöner zu sehen.