Bruderherz - Michael Robotham¿¿¿¿¿¿¿Ich bin riesengroßer Michael-Robotham-Fan. Alles, was dieser Mann veröffentlicht, landet früher oder später bei mir. Vor allem seine Joe-O'Loughlin-Reihe liebe ich für den Mix aus Spannung und großartiger Figurenzeichnung.Entsprechend groß war meine Vorfreude auf "Bruderherz"; vielleicht lag genau darin auch das Problem.Auf über 500 Seiten erzählt Robotham von Arlo Hackett, der nach zwölf Jahren Haft in seine australische Heimatstadt Yulara zurückkehrt. Er will das Haus seiner Mutter verkaufen, doch die Vergangenheit holt ihn ein: Damals ist etwas passiert, das sein Leben und das seines jüngeren Bruders Luke für immer verändert hat.Arlo begegnet Misstrauen, Gewalt und Ausgrenzung. Gleichzeitig bekommen wir einen bedrückenden Einblick in eine kleine Gemeinschaft, in der alte Geschichten und Unwahrheiten das Zusammenleben prägen.Für mich dauert es allerdings ungefähr 300 Seiten, bis die eigentliche Aufklärung des Falls stärker in den Mittelpunkt rückt. Bis dahin ist "Bruderherz" eher Gesellschaftsroman als Thriller. Interessant, aber stellenweise langsam und für meinen Geschmack zu wenig spannend.Robothams Stärke zeigt sich trotzdem in seinen Figuren. Er zeichnet sie mit viel Liebe zum Detail, sodass man mit ihnen mitfühlt. Auch Arlos Geschichte hat mich erreicht - nur hat das ziemlich lange gedauert.Am Ende verrät Robotham, dass er die Geschichte bereits mit 20 Jahren geschrieben und über Jahre immer wieder überarbeitet hat. Vielleicht erklärt das ein wenig, warum sich dieses Buch so anders liest als vieles, was ich von ihm kenne.Nicht schlecht. Aber eben auch nicht der Robotham, den ich sonst so liebe.