Ein Pageturner, der mich bis zum Ende nicht mehr aus seinen Klauen gelassen hat.
Ein Pageturner, der mich bis zum Ende nicht mehr aus seinen Klauen gelassen hat.Inhalt: Yasser, ein achtjähriger Junge, wohnhaft in Berlin Neuköln, kommt vom Spielen nicht mehr nach Hause. Die Mutter kann aber die Polizei nicht einschalten, das sie keinen gültigen Aufenthaltstitel für Deutschland hat und die Ausweisung befürchtet, wenn sie sich an die deutschen Behörden wendet. Ein jordanischer Ex-Geheimdienstler nimmt sich der Sache an, stößt aber schnell an seine Grenzen. Den mutmaßlichen Täter hat er ja zur Strecke gebracht, dabei jedoch den Jungen nicht gefunden.Die Polizei wird zu einer Leiche in einem Wohnwagen in einer illegalen Wohnwagensiedlung gerufen. Die Todesursache ist schnell festgestellt, aber diese Leiche ist nicht die Einzige auf dem Gelände. In dem Auto des toten Mannes befindet sich die Leiche eines vor vier Jahren entführten Jungen, der keine Verwesungsanzeichen zeigt, aber auch vier Jahre lang nicht gealtert zu sein scheint. - Wie geht das?Dr. Sabine Yao hat gut zutun. Sie ist Mitglied der Soko, um die Todesfälle des Jungen und des Mannes aufzuklären. Gemeinsam mit ihrer Freundin Monica Monti setzt sei alles daran, den kleinen Yasser noch lebend zu finden.Fazit: Wie genial ist denn bitte schon mal die Haptik des Buches?! Nicht nur, das Titel und Autor wieder geprägt sind und leicht erhaben wirken, wenn man über das Buchcover streicht, so hat man auch den Teil des weißen Tuches eine andere Oberfläche gegeben, als dem kalten Stück Metallpritsche. Schon allein, dass sich ein Buchcover zum Teil wie ein Stück Stoff anfühlt, hat mich voll von den Socken gehauen.Die Handlung geht schon im Prolog gut los, als der Leser der Entführung des Jungen beiwohnt und schon ganz genau weiß, dass dieser Mann definitiv kein Wachschutz oder Polizei ist, sondern schlicht und ergreifend dem Jungen, was antun will.Und schon geht es auch bei der Rechtsmedizin hoch her. Es gibt eine morgendliche Fallbesprechung und die verschiedenen Fälle gehen an die verschiedenen Gerichtsmediziner. In dem Moment wird auch ein neuer Charakter in die Handlung eingeführt, der wirklich sehr interessant ist. Die Rolle der Kiara, als eine Art Praktikantin, ist sehr interessant. Nur leider verschwindet sie zum Ende der Handlung dann mehr und mehr im Hintergrund. Ich hätte mir wirklich mehr Austausch zwischen ihr und Yao gewünscht. So wie es am Anfang war. Wenn sie bei dem Fall mehr mitgerätselt hätte, wäre das sicher sehr belebend gewesen.Im Mittelteil wird auch überraschen viel von diesem Ex-Geheimdienstler erzählt. Der Leser verfolgt seine Ermittlungen über etliche Kapitel. - Es war zwar sehr interessant, was der Typ alles angestellt hat, aber im Grunde hat mich schon ab diesem Punkt nur noch interessiert, ob der kleine Yasser überlebt, von dem man zwischendurch auch immer mal wieder etwas liest. Und das ist ziemlich dramatisch, wie er immer schwächer wird und ab einem gewissen Punkt kaum noch eine Chance besteht, dass man ihn findet. - Das war so ein ernüchternder Moment, als mir klar geworden ist, dass dieser Typ den einzigen Mann umgebracht hat, der weiß, wo der kleine Junge versteckt ist, habe ich innerlich in jedem Fall aufgestöhnt.Die Ermittlungen an sich waren wieder sehr spannend und das ganze Geschehen im Sektionssaal, habe ich vor meinem geistigen Auge sehr gut vor mir gesehen. Das ist immer der Punkt, wo man ganz genau merkt, dass Herr Tsokos eben vom Fach ist. Aber die Ermittlungen dieses Ex-Geheimdienstlers haben mich in gewisser Weise schon ein wenig angenervt. Wusste ich doch, dass dieser Mensch aber sowas von am Rande der Legalität agiert ...Die Haptik des Einbandes war ja einfach nur gigantisch. Ich mochte diese zwei unterschiedlichen Hintergründe, die man auch erfühlen konnte, wenn man nicht hingeschaut hat. Und es war mir, als wenn ich bei jedem Betrachten des Covers, neue kleine Details entdecke.Die Seitenaufteilung fand ich jetzt nicht ganz so gelungen. Die Schrift hätte gern ein oder zwei Punkte größer sein können und der innere Rand an den Seiten kann auch größer sein, als der äußere. Zumal das Buch auch so fest geklebt war, dass ein vollständiges Aufschlagen nicht ohne Leserillen oder hässliche Brüche möglich gewesen wäre. - Und dagegen bin ich ja nun auch mal hochgradig allergisch!An den Schreibstil musste ich mich dann hier erst noch ein wenig gewöhnen. Herr Tsokos verfällt von Buch zu Buch mehr in eine wirklich ausgiebige Nutzung von Schachtelsätzen. Gerade wenn er über Ermittlungen oder das Vorgehen im Sektionssaal doziert, wird das ganz schlimm. - Er kommt halt vom Fach, was will man machen. Ich denke, dass das schon ein Automatismus bei ihm ist. - Ist man dann aber in der Handlung richtig drin, geht es vorwärts und ich war gefesselt, konnte kaum von dem Buch lassen und war froh, dass ich meinen Wecker hatte, der mich daran erinnert hat, dass ich ja auf Schicht muss.Die hier angebrachten Fälle stammen aus dem Arbeitsalltag von Herrn Tsokos und waren, auch wenn sie nur am Rande erwähnt worden sind, es durchaus wert, noch genauer erwähnt zu werden. Da waren schon so einige wirklich seltsame "Erscheinungen" dabei.Ich kann dieses Buch nicht nur eingefleischten Fans wärmstens ans Herz legen. Die Tatsache, dass der Autor vom Fach ist, gibt der Handlung einen ganz besonderen und eigenen Vipe und hat mich wirklich von Anfang an gut gefesselt und kaum noch los gelassen.