Der Roman ist keine einfache Kost und sollte nicht nur zur Unterhaltung gelesen werden.
Die Geschichte beginnt mit einem Verkehrsunfall in der kalifornischen Mojave-Wüste, bei dem Max und seine zweite Frau Teresa ums Leben kommen. Die drei Töchter von Max bleiben zurück und wollen mehr über die Umstände des Unfalls erfahren. Dabei kommen so einige Geheimnisse aus der Vergangenheit ans Licht.
Die drei jungen Frauen müssen erkennen, dass ihr Vater nicht mehr der erfolgreiche, wohlhabende Mann war als der er sich ihnen präsentierte.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs nimmt die Familiengeschichte de Borels ihren Anfang. In der Schweizer Uhrenstadt Aureole baut sich Valentin Borel als Anwalt für seine Mandanten aus der Uhren- und Maschinenindustrie ein mächtiges Imperium auf. Er heiratet Lily und sie bekommen einen Sohn und eine Tochter.
Seine Tochter Olga heiratet Max, der es mit Hilfe ihres Vaters schafft, zum kleinen Kreis der Führungsriege der Schweizer Uhrenindustrie zu gehören. Die beiden bekommen die Töchter Paula und Christina. Geld und Macht bestimmen das Leben der Familie bis in den 1970er Jahren Billiguhren aus Fernost den europäischen Markt überschwemmen.
Max und Olga lassen sich scheiden. Max heiratet die Latina Theresa und bekommt mit ihr Tochter Zoé. Da sie in der Kleinstadt Aureole keine Zukunft mehr sieht, beginnt die junge Familie in Kalifornien ein neues Leben.
Obwohl Geld, Erfolg und Macht von Anfang an die Hauptantriebsmittel der Familie Borel sind, führen deren Mitglieder kein glückliches Leben. Alle Charaktere haben ihre Schwierigkeiten und Eigenarten.
Der Autorin gelingt es gut, diese unterschiedlichen Menschen greifbar zu machen. Durch detaillierte, bildhafte Beschreibungen werden sie zum Leben erweckt. Jede und jeder der Hauptdarsteller hat seine Ecken und Kanten und keiner wirkt wirklich sympathisch.
In keine der drei Schwestern, die als Protagonisten im Mittelpunkt der Geschichte stehen, kann ich mich wirklich einfühlen. Zu fremd sind mir Ihre Lebensweisen und Ansichten. Die Rückblicke fand ich interessant und aufschlussreich.
Nadine Hohstettler greift in ihrer Familiengeschichte auch gesellschaftliche, politische und moralische Themen auf. Da durch unerwartete Wendungen auch die Spannung nicht zu kurz kommt, macht das Lesen Spaß. Nach jedem Kapitel weiß der Leser mehr und bekommt so nach und nach viele einzelne Teile, die sich am Ende zu einem vollständigen Puzzle zusammenfügen.
Schön.Reich.Tot. ist ein anspruchsvoller Roman für Liebhaber spannender und geheimnisvoller Familiengeschichten. Trotz weniger kleinen Längen hat er mir einige angenehme Lesestunden bereitet.