Pascal Engmans neuerThriller 'Der Clan - Die Strasse' geht unter die Haut, zumindest ist es mir so ergangen.
Die Geschichte beginnt am 1.September 1997 in einem Krankenhaus in Stockholm. An diesem Tag kommen hier ein Junge und ein Mädchen zur Welt, die in unterschiedlichen Teilen des selben Stadtteils aufwachsen, Josef bei seiner alleinerziehenden Mutter mit Migrationshintergrund, Antonia in einer intakten Familie der gehobenen Mittelschicht. Josef wächst in einer Straße auf, in der der Clan der Familie Mansour zunehmend die Macht über die ansässigen Familien übernimmt und ihre illegalen Geschäfte ausweitet. Josef versucht zunächst, sich aus Konflikten herauszuhalten, doch um seinen besten Freund und seine Mutter zu beschützen, gerät auch er schließlich unter den Machteinfluss von Ali Mansour und seinem Sohn Muhammed. Polizisten wie Hjalmar müssen hilflos mitansehen, wie der Clan in ihrem Stadtviertel seine Macht ausweitet und es mehr und mehr zu Gewalt schon unter Jugendlichen kommt.
Auch Antonias scheinbar heile Welt bekommt Risse, sie leidet unter Mobbing und einem Stalker, so dass sie davon träumt, der Enge der Vorstadt zu entkommen und finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen.
Der Einstieg wirkt zunächst etwas schleppend, je mehr man sich in die Geschichte einliest, umso erdrückender und spannender wird die Handlung jedoch. Mit seinem direkten Schreibstil vermittelt Engman ein sehr bedrückendes Bild von der brutalen Realität in diesem Vorort, in der die Jugend oft keine andere Chance hat, als in die Kriminalität abzurutschen.
Der Thriller folgt verschiedenen Personen im Verlauf von rund 20 Jahren und schildert auf schonungslose Weise, wie sich in dieser Zeit die Dynamik und Gesellschaft in diesem exemplarischen Viertel entwickelt hat. Es geht um Gewalt, Liebe, Loyalität und den Einfluss verschiedener Ehrenkodexe.
Gerade im Angesicht der aktuellen Berichterstattung von eskalierender Bandenkriminalität in Schweden hinterlässt dieser Thriller einen bitteren Beigeschmack. Seine schonungslose und beobachtende Erzählweise macht es manchmal schwierig, die Schilderungen zu ertragen, gerade in dem Wissen, dass sie mehr Realität beinhalten, als man sich wünscht.