Faktenreich, akribisch recherchiert, trotzdem gut zu lesen
Der Spanische Bürgerkrieg von 1936 - 1939 gilt gemeinhin als der Kampf der Demokraten gegen die Faschisten. Damit werden die blutigen Ereignisse dieser vier Jahre in sehr vereinfachter Form zusammengefasst. Ingendaay bietet hier ein wesentlich differenziertes Bild dieser Zeit, deren Folgen das Königreich Spanien immer noch nicht überwunden hat. In klar gegliederten und kurzen, leicht lesbaren Kapiteln zeichnet er akribisch den Verlauf und vor allem die Verästelungen eines grausamen Bürgerkriegs nach, der schließlich die ganze Halbinsel erfasst.Die demokratischen Kräfte haben im Unterschied zu den Putschisten kein klares Ziel; zudem mangelt es dem Staat an Disziplin, an einer festen staatlichen Ordnung und Durchsetzungskraft. Dazu kommt, dass die europäischen Demokratien mit dem Argument der Neutralität jegliche Hilfsmaßnahmen verweigern. Anders verhalten sich Italien und Deutschland; diese beiden faschistischen Länder schließen im "Unternehmen Feuerzauber" eine Waffenbrüderschaft mit den aufständischen Kräften und tragen so entscheidend zum Untergang der spanischen Demokratie bei.Der Bürgerkrieg entwickelt sich tatsächlich zu einem "Feuerzauber". Der Bürgerkrieg bringt exzessive Gewaltorgien mit sich, Massenerschießungen, Plünderungen, Brandschatzungen, systematische Ermordungen von Klerikern, Verschleppungen, Folterungen etc., und zwar auf allen Seiten.In dieses Chaos wagen sich nun junge, mutige europäische Intellektuelle. Ihre politischen Positionen sind unterschiedlich, so wie bei den spanischen Republikanern auch: linksliberal, anarchistisch, demokratisch, sozialistisch und antikommunistisch. Der Autor verfolgt ihren Weg, soweit es die Quellenlage zulässt: Ernest Heminway, die Kriegsfotografen Robert Capa und Gerda Taro, Willy Brandt (der daran verzweifelt, dass "die gute Sache eine Wendung zum Bösen genommen habe"), George Orwell, Arthur Koestler, Simone Weil und viele andere, die als Zeitzeugen auftreten - und auf der anderen Seite Thomas Mann im sicheren Schweizer Exil, der von Koestler als "herablassend" und desinteressiert beschrieben wird und dem jede "Barmherzigkeit" abgeht: "Es hat vielleicht noch nie einen Romanschriftsteller gegeben, dem die dostojewskische Gabe der Sympathie für die Armen und Gedemütigten so völlig abging."Damit stellt der Autor zugleich die Frage nach der Positionierung der Intellektuellen in Zeiten des Krieges - eine aktuelle und hochmoralische Frage. Diese Frage vertieft er mit seinen Ausführungen zu Picassos großformatigen Bild "Guernika", in dem Picasso nur vordergründig den Angriff der "Tötungsroutiniers" der Legion Condor auf den kleinen baskischen Ort verbildlicht. Picassos Bild geht über den konkreten Anlass hinaus: er weitet den Blick des Betrachters und macht ihn zu einem Augenzeugen der Kriegsschrecken und einer apokalyptischen Vernichtung. Und diese Wirkmächtigkeit hat das Bild trotz seines Alters nach wie vor nicht eingebüßt.