Im Jahr 1924 geschieht im fernen Königsberg ein Mord an einem Firmenerben. Weil in der Nähe der Leiche hebräische Schriftzeichen gefunden werden, meint man, jemanden mit entsprechender Erfahrung zu benötigen. Kommissar Aaron Singer wird von Berlin, wo er das Glück hatte bei Ernst Gennats Mordkommission zu arbeiten, nach Königsberg beordert. Das kann eine Chance sein, es kann aber auch das Ende seiner Karriere bedeuten. In der Bank seines Vaters möchte Singer nicht arbeiten. In Königsberg hat er es erstmal nicht leicht. Die Kollegen denken, er sei ihnen vor die Nase gesetzt worden. Nur sein Kollege Heinrich Puschkat begegnet ihm einigermaßen unvoreingenommen.In ihrem ersten gemeinsamen Fall ermitteln Singer und Puschkat in einem brisanten Fall. Der Tote war der Sohn des ersten Reeders vor Ort. Auf Edward Mayrhöfer ruhten alle Hoffnungen seines Vaters, er sollte der Nachfolger sein, der die Reeder gegen die Konkurrenz aus dem Kohlerevier Westdeutschlands zusammenhält. Und nun steht alles auf der Kippe. Besteht etwa die Möglichkeit, dass aus Reederkreisen jemand etwas gegen die erfolgreiche Durchführung dieses Vorhabens hatte? Da Singer selbst aus der gehobenen Gesellschaft stammt, ist er für diese Ermittlungen durchaus geeignet. Schnell ist klar, ein religiöses Motiv ist nicht erkennbar. Dieser spannende historische Kriminalroman beleuchtet die Lage in der Mitte der 1920er Jahre. Deutschland hat mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Gerade der Zustand der Wirtschaft ist immer noch schlecht. In Königsberg ist eine leichte Erholung eingetreten, diese ist nun durch die Konkurrenz der Stinnes AG gefährdet. Reicht das als Motiv für einen Mord. Als Leser darf man diese Erklärung durchaus als zu einfach empfinden. Doch die Ermittlungen gehen nicht so forsch voran. Schon beginnt Aaron Singer zu spüren, dass er wegen seiner Religion, die für ihn nicht lebensbestimmend, anders behandelt wird. Auch werden die Nachforschungen bereits zu dieser Zeit durch die Rechten gestört. Natürlich kann man sich durch diese Grundumstände an Gereon Rath erinnert fühlen, doch der Autor kann der Thematik noch weitere Facetten zuordnen, gerade auch durch das Setting in Königsberg, das damals schon vom Rest des Landes abgetrennt war. Die Situation war früh schon beklemmend, auch wenn die Menschen noch nicht glauben konnten, dass diese tatsächlich an die Macht kommen könnten. Auch wenn der Fall eine eher normale Auflösung erfährt, ist der Roman wegen seiner präzisen Schilderungen sehr empfehlenswert.